James Levine. Bild: Marty Sohl / Met Opera
James Levine. Bild: Marty Sohl / Met Opera

James Levine - ein gefallenes Genie

Für mehr als vier Jahrzehnte war er einer der Größten - im Jahr 2018 holten ihn Vorwürfe vom Sockel, die es in sich hatten. Zum Tod des Dirigenten James Levine (1943-2021).

Allein an der Met leitete er rund 2500 Vorstellungen von 85 verschiedenen Opern. Im Jahr 1971 startete er dort mit "Tosca" und erweiterte das Repertoire des weltweit führenden Opernhauses. 1973 wurde er "Principal Conductor", 1976 Musikdirektor. 2018 musste er gehen. Mehrere Männer warfen ihm sexualisierten Machtmissbrauch vor, auch aus Levines Zeit in Cleveland (Ende der sechziger bis Anfang der siebziger Jahre). Ob Levine so machtgeil war, wie er beschrieben wurde? Welche Rolle wird es für seinen musikalischen Nachruhm spielen? Und warum weiten wir die Diskussion nicht zum Beispiel auf einen Herbert von Karajan aus, Mitglied bei den Nationalsozialisten? All dies sind schwierige moralische Fragen. Welche Rolle spielen sie beim Abhören der großen Aufnahmen, die uns Levine hinterlässt? Das kann nur jeder Musikfreund für sich selber entscheiden. Die Met jedenfalls hat heute ein großes Foto und einen würdigenden Nachruf auf ihrer Internetseite. Und dieser Tag eignet sich dazu, Siegfrieds Tod aus der Ring-Gesamtaufnahme mit dem Met-Orchester zu hören (Deutsche Grammophon). Ein schwieriges Stück, das leicht verebbt. Aber nicht bei Levine, der die Spannung hält. Sein Tod wirft viele Fragen auf. Vielleicht ist Musik die beste Antwort.

 

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