Howard Griffiths. Foto: Ronnie Vetsch
Howard Griffiths. Foto: Ronnie Vetsch

Howard Griffiths verlässt Brandenburgisches Staatsorchester

Zum Ende der Spielzeit 2017/18 verlässt Howard Griffiths das Brandenburgische Staatsorchester, das er seit 2007 leitet.

Griffiths hat das Brandenburgische Staatsorchester in den letzten Jahren auf ein neues Niveau gehoben. Von Anfang an lobte die Presse die „Leichtigkeit, Lockerheit und Transparenz" seines Ansatzes, der noch die feinsten Nuancen eines Werks und ungehörte Klangbilder herauszuarbeiten versteht.     

Drei Abschiedskonzerte geben Anlass, Resümee dieser Ära zu ziehen - Howard Griffiths hat viel bewegt und eine große und treue Anhängerschaft im gesamten Bundesland gefunden. Zugleich ergeben sich für den britischen Dirigenten nun Zeitfenster für andere Aktivitäten, denn Griffiths ist umtriebig und hat bereits zahlreiche neue Projekte in der Pipeline.

Griffiths brachte ein neues Musikverständnis mit an die Oder: die Neugier auf Neues und Unbekanntes, auf zeitgenössische Komponisten und andere Kulturkreise. Mit dem Staatsorchester erschloss er ein über den Klassik-Kanon erweitertes Repertoire und regte die Zusammenarbeit mit außereuropäischen Künstlern an: ein deutsch-türkisches Barockkonzert, Einladungen an türkische Künstler wie Fazil Say, Burhan Öçal und gemeinsame Education-Projekte mit dem Perkussionisten Murat Coşkun gehen auf das Engagement von Howard Griffiths zurück.

Darüber hinaus führte er das Publikum an die Musik der Sinti und Roma (Roby Lakatos & Ensemble), Musik der Aborigines (William Barton, Didgeridoo) und an chinesischer Musik (Tan Dun, Zheng Concerto) heran. Beherzt überschreitet er die Grenzen des Klassikbetriebs.            

Man darf Howard Griffiths zudem auch als Archäologen charakterisieren: Immer wieder gräbt er vergessene Komponisten vor allem des 18. und 19. Jahrhunderts aus, holt Stücke aus der Versenkung, die zum Teil  verschollen sind. Auf der letzten CD mit dem BSOF sind drei selten aufgenommene Werke von Ludwig van Beethoven zu hören: Das Klavierkonzert D-Dur, op. 61a, gefolgt von der "Musik zu einem Ritterballett" WoO 1 und „Wellingtons Sieg oder die Schlacht bei Vittoria", op. 91. - eingespielt mit der jungen Pianistin Claire Huangci.             

Unter den mehr als 100 CD-Aufnahmen von Howard Griffiths bei verschiedenen Labels (Warner, Universal, Sony, cpo, Koch, u.a.) finden sich eine Reihe Ersteinspielungen von wiederentdeckter Musik des 18. und 19. Jahrhunderts – Werke und Komponisten, die oftmals zu Unrecht ein wenig aus dem Kanon gefallen sind.

Dazu zählen auch mehr als 40 Symphonien von Zeitgenossen Beethovens und der frühen Romantiker wie Louis Spohr, Franz Danzi, Franz Krommer etc. Seine Aufnahmen aller acht Sinfonien des Beethoven-Schülers Ferdinand Ries haben von der Kritik weltweit großes Lob erhalten.           

Begeistert engagiert sich Howard Griffiths in der Musikvermittlung und Musikförderung von Kindern und Jugendlichen. Er ist maßgeblicher Initiator zahlreicher Education-Projekte, die während seiner Zeit als Chefdirigent mit dem Brandenburgischen Staatsorchester entstanden sind.  

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