Auch an der Musikhochschule Köln würde ohne Lehrbeauftragte der Betrieb zusammenbrechen. Bild: Schmitz
Auch an der Musikhochschule Köln würde ohne Lehrbeauftragte der Betrieb zusammenbrechen. Bild: Schmitz

Hilferufe in Corona-Zeiten

Tonkünstlerverband und Musikrat fordern mehr Hilfen für freischaffende Musiker und Lehrbeauftragte an Hochschulen.

Das Bundeskabinett hat gestern ein milliardenschweres Hilfspaket zur Unterstützung von Unternehmen und Soloselbständigen beschlossen, das auch für den Kultur- und Medienbereich gilt. Der Bund will demnach 156 Milliarden Euro Schulden aufnehmen, um beispielsweise Soloselbstständigen und Kleinstunternehmen zu helfen. Morgen soll das Maßnahmenpaket im Deutschen Bundestag zur Abstimmung gestellt werden und am Freitag im Bundesrat. Erfahrungsgemäß seien jedoch die bürokratischen Hürden so hoch, dass kaum ein Kreativer an den Mitteln teilhaben können werde, mutmaßt der Tonkünstlerverband. Dies habe sich bereits jetzt für die Maßnahmen im Bereich der Arbeitsagenturen gezeigt.

Solidarität mit Soloselbständigen

Der Deutsche Tonkünstlerverband, der Berufsverband für Musikberufe mit ca. 9.000 Akteuren im Musikbereich, Soloselbständigen wie Komponisten, Instrumental- und Gesangsinterpreten, Musikpädagogen, Honorarlehrkräften und Lehrbeauftragten, Tontechnikern etc. warnt ausdrücklich vor dem bevorstehenden Kollaps der Kultur- und Kreativszene durch massive Verdienstausfälle in dieser Branche. Trotz regelmäßiger konzertierter Vorstöße aus der Branche hat es die Politik bisher versäumt, das bereits zuvor existente Prekariat mit allen seinen sozialen Folgen mit geeigneten Maßnahmen zu lindern. Die Konsequenzen der Corona-Pandemie treffen nun gerade die selbständigen Kulturschaffenden besonders hart.

Der Deutsche Tonkünstlerverband fordert deshalb im Schulterschluss mit dem Deutschen Musikrat ein zunächst auf sechs Monate begrenztes Grundeinkommen für alle Künstlersozialkasse-Mitglieder in Höhe von 1.000,- Euro netto. In der Künstlersozialkasse (KSK) sind rund 190.000 freiberuflich schaffende Menschen aus Bereichen wie Kunst, Musik, Werbung, Literatur, Journalismus versichert. Der Staat zahlt für sie die Arbeitgeberanteile für Renten-, Kranken- und Pflegeversicherung.

Lehrbeauftragte an Hochschulen

Auch um die Situation der Lehrbeauftragten sorgt sich der Musikrat. Ein Drittel, vielfach mehr als die Hälfte der Lehre an den 24 Musikhochschulen in Deutschland liegt in der Hand von Lehrbeauftragten. Sie werden je erteilter Unterrichtsstunde honoriert und müssen als selbständig Beschäftigte für ihre soziale Absicherung selbst aufkommen. Für etwa 60% der Lehrbeauftragten stellen die Einnahmen aus ihrer Unterrichtstätigkeit an den Musikhochschulen einen wesentlichen Teil ihres existenzsichernden Einkommens dar. Für das kommende Sommersemester sind mindestens gravierende Einschränkungen, wenn nicht gar der Ausfall des Hochschulbetriebes zu befürchten. Den Lehrbeauftragten, einer wichtigen Gruppe von Lehrenden an Musikhochschulen, droht eine finanzielle Notlage.

Dazu Prof. Christian Höppner, Generalsekretär des Deutschen Musikrates, und die Vorsitzende der Rektorenkonferenz der deutschen Musikhochschulen, Prof. Dr. Susanne Rode-Breymann: „Die Lehrbeauftragten sichern gemeinsam mit den hauptamtlich Lehrenden den Lehrbetrieb der Musikhochschulen. Wir fordern die Parlamente und Regierungen der Länder auf, die Verdienstausfälle der Lehrbeauftragten, die durch die zu erwartenden Einschränkungen bzw. den Ausfall des Lehrbetriebes entstehen, auszugleichen. Andernfalls droht ein auf Jahre hinaus wirkender Aderlass für die künstlerische, wissenschaftliche und pädagogische Exzellenz der Musikhochschulen. Sollte es hier nicht zu einer raschen und unbürokratischen Regelung kommen, würde unsere Gesellschaft nicht ihrer sozialen Verantwortung für diese Berufsgruppe und der Verantwortung gegenüber den Studierenden gerecht werden."

Die in Aussicht stehenden bzw. bereits beschlossenen Hilfspakete der Bundesregierung und der Länder für die Kulturschaffenden könnten einen Lösungsweg aufzeigen, heißt es seitens des Musikrats..

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