Ausschnitt aus dem Film "Helmut Lachenmann. My Way". Bild: deBunt Film, Wiebke Pöpel
Ausschnitt aus dem Film "Helmut Lachenmann. My Way". Bild: deBunt Film, Wiebke Pöpel

Helmut Lachenmann - My Way

Wie Helmut Lachenmann zu dem wurde, der er ist, hat Wiebke Pöpel in ihrem rund 90-Minuten langen Filmporträt Helmut Lachenmann – My Way dokumentiert.

Die Vorgeschichte zu diesem Filmporträt begann 2014/15. Damals begleitete Wiebke Pöpel den Komponisten ein Jahr lang auf Reisen. Den Rahmen dafür gab das Projekt „Lachenmann Perspektiven“, in dem europaweit mit verschiedenen Orchestern und Dirigenten alle Orchesterwerke von Helmut Lachenmann aufgeführt wurden. Initiiert wurde dieses umfassende Ereignis von Musik der Jahrhunderte aus Anlass des 80. Geburtstags des Komponisten. Daraus entstand die 7-teilige, mittlerweile mehrfach ausgezeichnete DVD-Reihe „Lachenmann Perspektiven“, eine Koproduktion von Musik der Jahrhunderte und dem Verlag Breitkopf & Härtel.

Wiebke Pöpel zeigt nun in „Helmut Lachenmann. My Way“ u.a., wie der Komponist zusammen mit Simon Rattle und den Berliner Philharmonikern so akribisch wie hingebungsvoll probiert. Das sehr persönlich gestaltete Porträt zeigt den Erfinder der „Musique Concrète Instrumentale“ aber auch in seinem Zuhause in Leonberg bei Stuttgart oder in Venedig auf den Spuren seiner Studienzeit bei seinem kompositorischen Vorbild Luigi Nono, oder im winterlichen Stuttgarter Wald auf der Suche nach Ästen für perfekte Knack-Geräusche in einer Komposition, oder am Klavier beim Spielen von alten Broadway-Melodien. Und dann erlebt man Helmut Lachenmann auch in seinem kleinen Chalet hoch über dem Lago Maggiore, wohin er sich seit Jahrzehnten zum Komponieren zurückzieht.

Natürlich hat auch Helmut Lachenmanns einziges Werk für das Musiktheater in diesen 90 Minuten seinen Platz: 1997 erlebte die Oper "Das Mädchen mit Schwefelhölzern" an der Hamburger Oper ihre Uraufführung nach vielen Jahren des kompositorischen Ringens. Wiebke Pöpels Film zeigt Ausschnitte aus der ersten choreografierten Fassung, die Christian Spuck für das Züricher Ballett in der Spielzeit 2019/20 entwickelt hat.

Die besondere Qualität des Films liegt in der präzisen Übersetzung von Helmut Lachenmanns Credo als Komponist und als Mensch in ebenso ruhige wie eindrückliche Bilder: „Gerade weil wir überflüssig sind, sind wir unverzichtbar. Die Kunst ist der Bereich, wo wir – über den ganzen Alltag hinaus – uns daran erinnern, dass wir geistbegabte Kreaturen sind. Und das ist der Sinn, warum wir überhaupt auf dieser Erde herumspazieren!“

TV-Premiere: 6. Dezember 2020, 8:15 Uhr im SWR Fernsehen. Im Anschluss 30 Tage in der ARD-Mediathek

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