Goethe-Büste in Togo, 1976. Foto: Goethe-Institut
Goethe-Büste in Togo, 1976. Foto: Goethe-Institut

Goethe-Medaille für Péter Eötvös

Die Goethe-Medaille 2018 geht an die kolumbianischen Theatermacher Heidi und Rolf Abderhalden vom Kollektiv Mapa Teatro, die schweizerisch-brasilianische Fotografin und Menschenrechtlerin Claudia Andujar und den ungarischen Komponisten und Dirigenten Péter Eötvös.

Das Goethe-Institut verleiht das offizielle Ehrenzeichen der Bundesrepublik Deutschland jedes Jahr an Persönlichkeiten, die sich in besonderer Weise für den internationalen Kulturaustausch eingesetzt haben. Am 28. August 2018 übergibt Klaus-Dieter Lehmann, Präsident des Goethe-Instituts, die Auszeichnung im Residenzschloss Weimar, u. a. an den Komponisten Péter Eötvös.

Die Laudationes werden gehalten von dem Theaterautor und Essayisten Deniz Utlu, dem Anthropologen und Aktivisten Stephen Corry und dem Schriftsteller und Dramatiker Albert Ostermaier. In diesem Jahr widmet sich die Goethe-Medaille 2018 dem Motto „Leben nach der Katastrophe“. Mit Heidi und Rolf Abderhalden von Mapa Teatro, Claudia Andujar und Péter Eötvös werden vier Persönlichkeiten ausgezeichnet, die beispielhaft für einen heilenden Umgang mit Brüchen und existenzbedrohenden Zäsuren im persönlichen wie gesellschaftlichen Leben stehen.

Sie alle haben sich für einen gemeinsamen Neubeginn nach der „Katastrophe“ eingesetzt – sei es nach dem Krieg, nach politischen Zusammenbrüchen oder Umweltzerstörungen: Die sozialdokumentarischen Stücke des Theaterkollektivs Mapa Teatro widmen sich auf radikale Weise mit experimentellen performativen Mitteln Verflechtungen von Politik, Gesellschaft, Gewalt und Revolution in der kolumbianischen Gesellschaft. Dabei behandeln sie die Auflösung eines ganzen Stadtviertels in Bogotá ebenso wie die Folgen der Gewalt im kolumbianischen Bürgerkrieg.

Die schweizerisch-brasilianische Fotografin Claudia Andujar engagiert sich seit den 1970er Jahren für die indigene Völkergruppe der Yanomami im Amazonas – ohne ihren unermüdlichen Einsatz, nicht nur mit der Kamera, wäre deren Lebensraum im Amazonasgebiet vielleicht bis heute nicht zum Schutzraum erklärt worden.

Der ungarische Komponist und Dirigent Péter Eötvös hat mit seinen kompositorischen Stücken und der Interpretation von Werken anderer zeitgenössischer Kollegen während des Kalten Krieges ebenso wie nach dem Fall der Mauer eine gemeinsame europäische Musikkultur vorangetrieben und prägt sie bis heute. Für  Eötvös ist Musik eine intensive Kommunikation zwischen Komponist, Interpret und Publikum. 1944 in Transsilvanien geboren – für ihn ein Sehnsuchtsort, der seine Kompositionen geprägt hat – , hat er früh den Kontakt zu zeitgenössischen europäischen Musikkulturen gesucht. In den 1960er Jahren fand er den Anschluss an die Kölner Musik-Avantgarde und leitete 1978 auf Einladung von Pierre Boulez das Eröffnungskonzert des Institute de Recherche et Coordination Acoustique/Musique (IRCAM) in Paris. Péter Eötvös zählt zu den erfolgreichsten Opernkomponisten unserer Zeit – seine außergewöhnlichen Klangkompositionen stellen unablässig existentielle Fragen, für die der Komponist musikalisch eindringliche, oft überwältigende Antworten erfindet. Mit dem 1991 gegründeten „Internationalen Péter Eötvös Institut für junge Dirigenten und Komponisten“ schafft er eine Plattform, um erworbenes Wissen und gelebte Erfahrung an die nächste Generation weiterzugeben. Von 1992 an lehrt Péter Eötvös an der Musikhochschule in Karlsruhe, übernimmt 1998 eine Professur an der Kölner Musikhochschule, um 2002 für fünf weitere Jahre nach Karlsruhe zurückzukehren. Seit den 1990er Jahren widmet Péter Eötvös sich verstärkt der Komposition von Konzertwerken und Opern. Seinen Durchbruch erzielt er 1998 mit der an der Opéra de Lyon uraufgeführten Oper „Trois soeurs“ nach Anton Tschechows Schauspiel „Drei Schwestern“, einem sensationellen Erfolg. Fortan teilt er seine Zeit zwischen dem Dasein als Dirigent und als Komponist auf und widmet sich dabei auch politischen Themen wie in dem Musiktheater „Der Goldene Drache“, welches sich mit Globalisierung und Migrationspolitik befasst und 2014 als Auftragskomposition für das Ensemble Modern an der Oper Frankfurt uraufgeführt wurde.

 

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