Orchesterprobe zu medizinischen Studienzwecken in Lübeck. Bild: Fabian Helmich
Orchesterprobe zu medizinischen Studienzwecken in Lübeck. Bild: Fabian Helmich

Gesundheit! Auch für Musiker

Die Musikhochschule Lübeck (MHL) und die Universität zu Lübeck (UzL) schreiben erstmals eine gemeinsame Professur für Musikergesundheit aus.

Durch Vernetzung mit anderen Institutionen wie den Lübecker Musikschulen und dem Theater Lübeck soll durch diese Stiftungsprofessur, die zunächst von der Possehl-Stiftung Lübeck finanziert wird, ein „Lübecker Modell zur Musikergesundheit" entstehen. Es soll nicht nur Studierenden und Hochschulangehörigen, sondern auch anderen Musikprofis und musikausübenden Laien zugutekommen und einen umfassenden Beitrag zur vielfältigen regionalen Musikkultur leisten.

MHL und UzL haben ein „Lübecker Modell zur Musikergesundheit" begründet, zu dem künftig Lehrtätigkeit und Forschung an beiden Hochschulen sowie Beratung für Musikprofis und Laien gehören. Viele
Musikausübende leiden unter gesundheitlichen Problemen. Dazu gehören schmerzhafte Verspannungen, eingeschränkte Bewegung, Tinnitus, Lampenfieber und Versagensängste. Sie können gravierende Folgen für das Musizieren haben und im schlimmsten Fall das Ende einer Karriere bedeuten. Gründe sind in Fehlhaltungen oder Überbelastung zu suchen, vielfach auch in psychischem Stress und Leistungsdruck, dem Musikausübende oftmals ausgesetzt sind.

Das „Lübecker Modell zur Musikergesundheit" umfasst mehrere Bausteine, die hier Hilfestellung und Prophylaxe anbieten wollen: An der UzL soll eine öffentliche Sprechstunde mit dem Ziel etabliert werden, diesen Beschwerden mit Lernstrategien und Schulungen zum Thema Körperwahrnehmung zu begegnen. Betroffen von gesundheitlichen Problemen sind dabei nicht nur Profi Musiker und -Musikerinnen, sondern auch Kinder und Jugendliche, für die Prävention und Aufklärung im Fokus stehen sollen. An der MHL wird ein theoretisches und praktisches Lehrangebot zur Musikergesundheit und Musikmedizin aufgebaut. Die Professur bietet dort außerdem Beratung und Weiterbildung nicht nur für Studierende und Dozierende an, sondern auch für die
Öffentlichkeit. Weiterhin soll an beiden Hochschulen zu Musikmedizin und Musikphysiologie geforscht werden.

Das Lübecker Modell zeichnet aus, dass es sich nicht nur an Hochschulangehörige richtet, sondern mit Weiterbildungsangeboten und Beratung auch an Lehrkräfte der Musikschulen, freischaffende
Musikunterrichtende, Orchestermusikerinnen und -musiker sowie singende und musizierende Laien. Es fußt auf einer engen Kooperation der MHL, der UzL und dem UKSH mit seinen Kliniken. Andere Lübecker
Kulturinstitutionen sind Kooperationspartner wie die Lübecker Musikschulen und das Philharmonische Orchester der Hansestadt Lübeck.

Max Schön, Stiftungsvorstand der Possehl-Stiftung Lübeck sagt dazu: „Die Possehl-Stiftung finanziert diese Professur, weil sie in vielfacher Hinsicht richtungsweisend ist: Musikhochschule Lübeck und
Universität zu Lübeck kooperieren zum Wohl der Kulturschaffenden in unserer Stadt. Denn die Begleitung und Entwicklung junger, begabter Künstlerinnen und Künstler umfasst so viel mehr als die Ausbildung
künstlerischer Virtuosität. Ein achtsamer Umgang mit der eigenen Gesundheit kann einen wichtigen Beitrag zur Entwicklung einer selbstbewussten Künstlerpersönlichkeit leisten. Besonders schön ist, dass die jetzt entstehenden Angebote nicht nur den Studierenden, sondern auch Laienmusizierenden zu Gute kommen werden."

Prof. Gabriele Gillessen-Kaesbach, Präsidentin der UzL, erläutert: „Die gemeinsame Professur von Universität und Musikhochschule ist landesweit einmalig und stellt mit ihrer transdisziplinären Perspektive einen wichtigen Schritt in Richtung einer weiteren verstärkten Vernetzung wissenschaftlicher Kompetenzen der beiden Lübecker Hochschulen dar. Die Einrichtung dieser Brückenprofessur ermöglicht
zudem viele Impulse für die Wissenschaft, die Ausbildung der Studierenden, die medizinische Versorgung von Musikausübenden und stärkt die Vernetzung der in Lübeck so prägenden Musikszene in ihrer
ganzen Bandbreite." MHL-Präsident Prof. Rico Gubler ergänzt: „Ziel der Musikmedizin ist es, den Musikausübenden bei der Bewältigung ihrer Schwierigkeiten zu helfen und zu verhindern, dass es überhaupt zu
schwerwiegenden Störungen kommt. So sollte bereits in jungen Jahren an der Spielhaltung gearbeitet und die Körperwahrnehmung geschult, sollten Methoden zum Abbau von Stress und Lampenfieber erlernt werden." Zu diesen Methoden gehören unter anderem Alexandertechnik, Feldenkrais, Kinesiologie, Yoga, Eutonie und Meditation.

Zur Professur für Musikergesundheit, die voraussichtlich ab Wintersemester 2021 an der MHL verankert wird, gibt es auch eine Stelle für wissenschaftliche Mitarbeit, die den Aufbau einer Einrichtung für
Musikmedizin an der UzL unterstützen soll. Die Anschubfinanzierung für das Lübecker Modell leistet mit rund 600.000 Euro die Possehl-Stiftung
Lübeck für zunächst fünf Jahre, nach einer Evaluation soll die Professur dann verstetigt und von der MHL und Uzl weiterfinanziert werden. Die vielfältige Lübecker Musikkultur könnte mithilfe dieser Unterstützung der Hochschulen langfristig und nachhaltig erhalten werden.

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