Komponist Heiner Goebbels hat nach der Lektüre von Michaux ein Radiostück gemacht. Sein erstes nach 25 Jahren. Bild: SWR/Beate Becker
Komponist Heiner Goebbels hat nach der Lektüre von Michaux ein Radiostück gemacht. Sein erstes nach 25 Jahren. Bild: SWR/Beate Becker

"Gegenwärtig lebe ich allein ..."

Neues Hörstück von Heiner Goebbels für das Radio.

Der Komponist Heiner Goebbels hat die Lektüre des französischen Künstlers und Dichters Henri Michaux (1899-1984) in ein Hörstück übersetzt - und damit nach mehr als 25 Jahren erstmals eine Komposition wieder originär für das Radio konzipiert. Mit "Gegenwärtig lebe ich allein ..." erneuert er seine Zusammenarbeit mit dem SWR Hörspiel. In der Klangkomposition in neun Bildern sind ausschließlich Heiner Goebbels am Klavier und die Stimme von David Bennent zu hören. Bennent wurde schon in jungen Jahren als "Oskar Matzerath" in der "Blechtrommel"-Verfilmung von Volker Schlöndorff bekannt. SWR2 hat das Hörstück von Heiner Goebbels gemeinsam mit Deutschlandfunk Kultur produziert. Zu hören ist "Gegenwärtig lebe ich allein ..." ab 6. Januar 2021, 12 Uhr als Podcast auf SWR2.de, in der SWR2 App und in der ARD Audiothek. SWR2 sendet das Hörstück am 7. Januar 2021 um 22:03 Uhr im SWR2 Hörspiel-Studio.

Annäherung an einen Unangepassten

Heiner Goebbels hat das Jahr 2020 produktiv genutzt: "Eine Zeit überraschend aufgezwungener Ruhe erlaubte mir das Wiederlesen der Texte eines unangepassten Einzelgängers, der gleichermaßen Dichter und Maler war: Henri Michaux - der mit seinen poetischen, nachdenklichen, beschwörenden und explosiven Texten eine Art Exorzismus gegen sich und den Rest der Welt betreibt. Mit seinen Bildern sucht er das Unsagbare auszudrücken." Goebbels interessiert dabei mehr die offene Musikalität des poetischen Wortes bei Michaux als ihr eindeutiger Zeichencharakter oder Sinn. Über die Reduktion auf die Stimme David Bennents, das Spiel zwischen französischem Original und deutscher Übersetzung sowie sein eigenes, elektronisch bearbeitetes Klavierspiel erzeugt er künstlerisch eine Unschärfe, die verschiedene Blickwinkel zulässt und letztlich das Publikum von der Sinnsuche befreit.

Heiner Goebbels

Der in Berlin und Frankfurt am Main lebende Heiner Goebbels ist einer der international bedeutendsten deutschen zeitgenössischen Komponisten. Er gilt als Erneuerer des Musiktheaters wie der Klanginstallation und wurde vielfach ausgezeichnet, u. a. mit dem Internationalen Ibsen Preis. 2012 bis 2014 war er Leiter der Ruhrtriennale, seit 2018 ist er Inhaber der Georg Büchner-Professur am Zentrum für Medien und Interaktivität der Universität Gießen. Sein Werk steht bis heute auf dem Programm der großen Häuser von Berlin, New York oder Moskau.

Henri Michaux

Der weitgereiste Dichter und bildende Künstler Henri Michaux belegt mit seiner Doppelbegabung einen Sonderplatz in der Kunst des 20. Jahrhunderts. Der gebürtige Belgier, der 1984 in Paris starb und auf Französisch schrieb, betrachtet die Welt mit einer radikalen Subjektivität, so dass er sich keiner Kunstrichtung oder -schule anschloss. Seine Texte wie auch Zeichnungen sind von rhythmischer Gestik und großer Musikalität geprägt. Sein Werk wurde schon mehrfach von Komponisten vertont, u. a. von Pierre Boulez.

"Gegenwärtig lebe ich allein ..."
Hörstück in neun Bildern mit Texten von Henri Michaux
Aus dem Französischen von Paul Celan, Werner Dürrson, Eleonore Frey, Kurt Leonhard und Elisabeth Walther-Bense
Mit: David Bennent (Stimme) und Heiner Goebbels (Klavier)
Produktion: SWR / Deutschlandfunk Kultur 2021
Dramaturgie/Redaktion: Manfred Hess
 

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