Ein Geschenk für das Beethoven-Haus: Brief Beethovens an Friedrich Sebastian Mayer; Beethoven-Haus Bonn. Foto: Barbara Frommann
Ein Geschenk für das Beethoven-Haus: Brief Beethovens an Friedrich Sebastian Mayer; Beethoven-Haus Bonn. Foto: Barbara Frommann

Freude im Beethoven-Haus über Autograph

Das großzügige Geschenk löste im Beethoven-Haus natürlich große Dankbarkeit und Freude aus. „Ich lächle noch immer still vor mich hin“, so die Kustodin.

Wer Beethoven-Manuskripte besitzt oder sich dafür interessiert, weiß vielleicht auch, dass das Beethoven-Haus über die vielseitigste und umfangreichste Beethoven-Sammlung weltweit verfügt. Die Bonner Einrichtung steht mit vielen Sammlern im Austausch, und häufig wenden sich diese mit Fragen an das Beethoven-Haus. So auch kürzlich: Ein Autographen-Sammler, der nicht genannt werden möchte, sucht nach einem Restaurator für einen Beethoven-Brief, der sich in seinem Besitz befindet. Julia Ronge, Kustodin des Beethoven-Hauses: „Da wir selbst keinen angestellten Papierrestaurator haben, habe ich dem freundlichen Herrn versprochen, ihm eine Liste mit renommierten Spezialisten in der Nähe seines Wohnortes zusammenzustellen.“ Einige Tage später kommt es zu einer überraschenden Wendung: „Beim nächsten Telefonat meinte der Sammler, er habe sich überlegt, zu Beethovens 250. Geburtstag könne er den Brief auch dem Beethoven-Haus überlassen – geschenkt!“, erzählt Ronge.

Das unverhoffte Geschenk ist ein autographer Brief Beethovens an Friedrich Sebastian Mayer, den Sänger des Pizarro in den Uraufführungen von Beethovens Fidelio (Leonore) 1805 und 1806. Der Brief war den Forschern bereits bekannt. „2003 war er zuletzt verkauft worden. Wo er verblieben war, wussten wir allerdings nicht“, so Ronge. Der Brief stammt vom 10. April 1806, dem Tag der zweiten Aufführung der zweiten Fassung der Oper. Mayer ist einer der wenigen, die von Beethoven geduzt werden, was eine innigere Beziehung nahelegt. Beethoven bittet ihn, Ignaz von Seyfried zu bewegen, die Opernaufführung des Abends zu dirigieren, damit er sie „in der Ferne ansehen und hören“ kann. Als Grund gibt er an: „wenigstens wird dadurch meine Geduld nicht so auf die probe gesezt, als so nahe bey, meine Musick verhunzen zu hören“. Da von den Musikern grundsätzlich alle dynamischen Eintragungen ignoriert würden, vermutet Beethoven dahinter nicht nur Desinteresse sondern sogar eine Absicht, was ihm ganz die Lust verderbe, überhaupt noch zu komponieren. Auch weitere Proben mahnt er an.

In der Sammlung des Beethoven-Hauses befinden sich bereits rund 600 der insgesamt 1770 bekannten Privat- und Geschäftsbriefe Beethovens. So ergänzt auch dieser Neuzugang andere Quellen, die bereits im Beethoven-Haus vorhanden sind: Dem Brief vom 10. April 1806 ging ein anderes Schreiben an Mayer voraus, das bereits 1956 mit der Beethoven-Sammlung des Schweizers Hans Conrad Bodmer ins Beethoven-Haus kam. Beethoven bittet darin den Solosänger, dafür Sorge zu tragen, dass die Chöre noch besser geprobt werden und auch das Orchester noch mehr Probenzeit auf der Theaterbühne absolviert. Julia Ronge erläutert: „Beide Briefe zeigen eindrücklich, welch großen Wert Beethoven auf alle Aspekte der Komposition legte. Nicht nur der reine Notentext, auch der Ausdruck der Musik wurde von ihm festgelegt.“ Umso größer war offenbar Beethovens Frustration darüber, dass die Musiker sich nicht danach richteten oder sich nach seiner Einschätzung zu wenig um die Qualität der Aufführung bemühten. Beethoven erweist sich hier als Perfektionist, dessen hoher Anspruch sich auch auf aufführungspraktische Fragen bezog.

 

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