François-Xavier RothRavel

François-Xavier RothRavel | Ma Mère l'Oye, Tombeau de Couperin, Shéhérazade

Dass die Historische Aufführungspraxis inzwischen beim 20. Jahrhundert angekommen ist, dürfte bekannt sein, und auch Werke Debussys und Ravels wurden mittlerweile mehrmals mit mehr oder weniger originalem Instrumentarium eingespielt. Dass jedoch François-Xavier Roth und sein Orchester Les Siècles bei der Interpretation dieser Musik ein Ehrenplatz gebührt, zeigt sich erneut in dieser wunderbaren Einspielung. Bereits mit der Veröffentlichung von Ravels Ballettpartitur „Daphnis et Chloé“ wussten die Musiker zu überzeugen, und in dessen „Ma mère l’oye“ und „Le Tombeau de Couperin“ ist der Eindruck, wenn überhaupt möglich, sogar noch stärker.

Hier ist es wirklich zuerst das Instrumentarium, das den Unterschied ausmacht: Durch die Holzbläser französischer Provenienz und die darmbesaiteten Streicher erblühen die beiden Partituren – sowie die ebenfalls eingespielte „Shéhérazade“-Ouvertüre – in einem Farbenreichtum, wie sie in dieser per se ja schon äußerst farbigen Musik selten erreicht wurde. Statt des üblicherweise praktizierten Mischklangs stehen hier Streicher und (vor allem Holz-)Bläser als gleichberechtigte Einheiten nebeneinander, und es ergeben sich lebendige Dialoge zwischen den einzelnen Sphären. Zudem gelingt es Roth, in „Ma mère“ die staunende Kindlich- bzw. Kreatürlichkeit der handelnden Figuren auf berührende Weise hörbar zu machen.


Der Märchenwald dieser Ballettmusik (Roth dirigiert die erweiterte Fassung) öffnet sich wie von Zauberhand. Und im „Tombeau“ findet sich trotz durchweg bewegter Tempi nichts von jener neoklassischen Marionettenhaftigkeit, mit der diesem Werk oft Unrecht getan wird. Das tänzerische Element und die untergründige Melancholie der Musik verbinden sich zu einer Perfektion, angesichts derer das Wort „Referenz“ nicht zu hoch gegriffen erscheint.

Thomas Schulz

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Ravel: Ma mère l‘Oye, Le Tombeau de Couperin, Ouvertüre „Shéhérazade“; Les Siècles, François-Xavier Roth (2016/17); harmonia mundi

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