Clara Schumann am Klavier, um 1878. Bild: Hanfstaengel/Robert-Schumann-Haus Zwickau
Clara Schumann am Klavier, um 1878. Bild: Hanfstaengel/Robert-Schumann-Haus Zwickau

Erinnerungen der Clara Schumann

Clara Schumanns Erinnerungen, erzählt durch gepresste Blüten, aufbewahrt in einem kostbaren Büchlein, erscheinen zur Leipziger Buchmesse 2019 anlässlich des 200. Geburtstages der Künstlerin.

Der älteste Musikverlag der Welt, Breitkopf & Härtel, verknüpft die Neuauflage des Berliner Blumentagebuchs mit dem eigenen Festjahr und blickt 2019 auf eine 300-jährige Geschichte. Die Blumen als liebevoller Gruß lassen weit mehr über das seelische Innenleben der Clara Schumann erahnen, als es Worte ausdrücken können. Biografische Notizen, Kommentare, Briefzitate sowie Konzerterwähnungen mit entsprechendem Repertoire liefern den inhaltlichen Kontext. Ergänzt werden die insgesamt 27 Einzel- und Doppelblätter, in denen die Pflanzen eingesteckt sind, mit botanischen Erläuterungen. Diese lassen ein vielgestalterisches Bild der Flora im 19. Jahrhundert entstehen und geben zugleich Rückschlüsse hinsichtlich Ort und Zeit.

Das Berliner Blumentagebuch wurde von Clara Schumann im Alter von fast 40 Jahren angelegt. Es ist das letzte von insgesamt drei dieser floralen Erinnerungsbüchlein. Das erste führte sie 1854 für ihren von Krankheit gezeichneten Ehemann Robert, um ihn an ihrem Leben und ihren Gefühlen teilhaben zu lassen. Ist das zweite Johannes Brahms gewidmet, spiegelt das nun neu aufgelegte Berliner Blumentagebuch die Zeit zwischen 1857 und 1859. Festgehalten sind hier anfänglich Erinnerungen, die von Roberts Tod überschattet wurden und durch Johannes Brahms zugleich wehmütig-glücklich erscheinen. Anhand von Blumensträußchen, einzelnen Blüten und Blättern, ergänzt mit kurzen Kommentaren von Renate Hofmann, erhält der Leser einen privaten Einblick in das ereignisreiche Leben der Pianistin und Komponistin. Die gepressten Pflanzen erzählen von der unbeschwerten Sommerzeit zusammen mit Brahms und den Kindern, führen an die Gräber von Robert Schumann und Ludwig van Beethoven und berichten von großen Konzerttourneen nach u.a. in die Schweiz und nach England.

Im Reisegepäck hatte sie vorrangig Kompositionen von Robert Schumann, Felix Mendelssohn Bartholdy, Frédéric Chopin und Ludwig van Beethoven. Im Blumentagebuch lässt sich auch die Veränderung der Beziehung zu Johannes Brahms erkennen, dessen Distanzierung Clara schwer getroffen haben muss. Ursprünglich liebevolle Eintragungen wurden von ihr gestrichen oder überschrieben. Blumen spielten im 19. Jahrhundert eine besondere Rolle. Sie wurden zu Kränzen geflochten, zierten Frisuren und Kleider, übermittelten geheime Botschaften und gehörten zum geselligen Alltagsleben. Öffentliche Kunstgärten, Parks und Treibhäuser luden zum Lustwandeln ein. Mit dem Tagebuch unternimmt der Leser einen Streifzug durch die europäischen Botanik der Zeit. Im Tagebuch zu sehen sind u.a. Klatsch-Mohn, Veilchen, Jasmin, Rose, Garten-Strohblume sowie Farne und Moose. Zu entdecken gibt es auch Raritäten wie das Großblütige Mädchenauge, die Korallenraute und der Deutsche Enzian, der auf Roberts Grab blühte. Die botanischen Erläuterungen stammen von Harry Schmidt. 

 

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