Rudolf Kempe im Jahr 1975. Bild: Erwin Doering
Rudolf Kempe im Jahr 1975. Bild: Erwin Doering

Erinnerungen an Rudolf Kempe

Das Historische Archiv der Sächsischen Staatstheater erhält den Nachlass von Rudolf Kempe (1910-1976), dem ehemaligen Kapellmeister der Staatskapelle und Generalmusikdirektor der Staatsoper.

Cordula Kempe, Witwe Rudolf Kempes und künstlerische Leiterin der Rudolf Kempe Society, hat sich entschieden, das Konvolut, bestehend aus Korrespondenzen, Programmheften, Rezensionen, Fanpost sowie zahlreichen Musikalien dem Historischen Archiv zu übergeben und somit öffentlich zugänglich zu machen. Sie möchte damit ihre große Liebe zur Sächsischen Staatskapelle und zur Heimatstadt ihres Mannes zum Ausdruck bringen. Der Nachlass wird derzeit sukzessive erschlossen und steht voraussichtlich ab der neuen Saison zur Einsicht zur Verfügung.

Rudolf Kempe wurde am 14.06.1910 in Niederpoyritz bei Dresden geboren. Ausgebildet in der kapelleigenen Orchesterschule der Staatskapelle, kam Kempe 1949 über Stationen als Oboist in Dortmund und Leipzig sowie als Dirigent in Leipzig, Chemnitz und Weimar zurück nach Dresden. Bis 1953 war er Generalmusikdirektor der hiesigen Staatsoper und insbesondere der Staatskapelle Dresden auch über die Zeit seiner Cheftätigkeit hinaus eng verbunden. Mit der Staatskapelle führte Kempe vor allem die Strauss-Pflege fort, was zahlreiche ausgezeichnete Schallplatteneinspielungen belegen. Am 27. Januar 1976, nur wenige Wochen vor seinem Tod im Mai in Zürich, stand Rudolf Kempe das letzte Mal am Pult seines ehemaligen Dresdner Orchesters.

Nach seinem Tod blieb eine Verbindung zwischen der Staatskapelle und der Witwe Kempes, Cordula Kempe, bestehen. Anlässlich des 100. Geburtstages von Rudolf Kempe wurde in Zusammenarbeit mit der Staatskapelle und dem Historischen Archiv der Sächsischen Staatstheater eine Ausstellung über den ehemaligen GMD im Opernkeller der Semperoper gezeigt. Rudolf Kempes Nachlass besteht in erster Linie aus Partituren, die seine künstlerische Arbeit von über fünfzig Jahren dokumentieren. Hinzu kommen umfangreiche schriftliche Dokumente über die internationale Musikszene und ihre Entwicklung von den 1920er-Jahren an; ebenso Tondokumente, von ihm und anderen Künstlern, die großenteils unveröffentlicht sind.

Cordula Kempe, Witwe von Rudolf Kempe: »Ich bin überglücklich, dass es nun möglich ist, den künstlerischen Nachlass meines verstorbenen Mannes Rudolf Kempe nach Dresden zu geben! Hier, und nirgendwo anders, ist seine wahre Heimat. Von hier ging alles aus, als der 14-jährige Oboist ›Rudi‹ Kempe 1924 sein Studium begann. Durch die schlimme Zeit nach seinem Tod 1976 war es ja nicht möglich, diese natürlichste aller Verbindungen wieder erstehen zu lassen – die wahrhaft natürlichste Verbindung. Denn es handelt sich ja nicht nur um das ›Stückl Notenpapier‹ (wie's im Ariadne-Vorspiel heißt!), auch nicht mal um Rudolf Kempe selbst, sondern in Wahrheit um die Quintessenz dessen, was die Musik – und eigentlich jede Art von Kunst – in ihrem Ausdruck beinhaltet. Sie ist es, wovon wir alle leben und woran wir alle glauben müssen – glauben dürfen – auch im Jahr 2020.«

Der Orchestervorstand der Sächsischen Staatskapelle Dresden: »Wir sind Frau Kempe und der Rudolf Kempe Society außerordentlich dankbar, dass sie das Archiv unseres ehemaligen Chefdirigenten vertrauensvoll in unsere Hände geben. Rudolf Kempes künstlerische Arbeit mit der Staatskapelle in mitunter schweren Zeiten, erstmals im Mai 1946, hat zum Fortbestand der musikalischen Qualität unseres Orchesters einen entscheidenden Beitrag geleistet. Seine herausragenden Strauss-Interpretationen sind glücklicherweise für die Nachwelt auf zahlreichen Schallplattenaufnahmen erhalten. Wir sind uns sicher, dass sein unschätzbarer Nachlass neue Einsicht und Inspiration für Generationen von Musikern und Wissenschaftlern gewähren wird.«

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