Emmanuel Pahud | Solo

Emmanuel Pahud | Solo

Solowerke für ein Melodieinstrument sind stets eine Herausforderung der besonderen Art für den Interpreten: Bieten ihm Duettpartner, Ensemble oder Orchester quasi ohne eigenes Zutun klangliche Vielfalt oder einen musikalischen Dialog, steht er unbegleitet einfach nackt da. Seiner Kunst obliegt es nun, dem Zuhörer eine virtuelle Vielfalt vorzugaukeln, die im Notentext häufig nur zwischen den Zeilen zu erahnen ist.

Komponisten des Barock wendeten den Kunstgriff an, durch gebrochene Akkordpassagen die jeweils tiefsten Noten als durchgehenden Generalbass erscheinen zu lassen. Bei Solostücken der Nachbarockzeit entfiel diese eingezogene Basslinie, und das Geschehen verlagerte sich zunächst gänzlich auf das rein lineare Geschehen, bis in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts die Avantgarde mit neuen Techniken wie im Flageolett doppelt überblasene Töne, Hineinsingen in das Instrument oder perkussive Klappengeräusche vielfältige und teilweise völlig neue Klangwelten und Gestaltungsmöglichkeiten erschloss.
Emmanuel Pahud, der fabelhafte Soloflötist der Berliner Philharmoniker, demonstriert anhand von 27 prägnanten Werken vom Barock bis heute die spannende Geschichte seines Instruments. Als durchgehendes Gerüst dienen ihm die 12 Fantasien für Flöte solo von Georg Philipp Telemann, die jeweils im Wechsel mit Stücken des 20. und 21. Jahrhunderts auftreten. Als krönender Abschluss überraschen die ursprünglich für Viola da gamba konzipierten „Les folies d’Espagne“ von Marin Marais als spannendes Kompendium des französischen Hochbarock.

Was Pahud hier an klanglicher Vielfalt, musikalischer Ausdruckskraft und technischer Raffinesse hören lässt, ist wahrhaftig kaum zu überbieten. Ein Sonderlob geht an die Aufnahmetechnik!

Holger Arnold

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Solo. Werke von Telemann, Takemitsu, Karg-Elert, Widmann, Helps, Honegger, Pintscher, Ferroud, Nielsen, Berio, Pärt, Varèse, Marais; Emmanuel Pahud (2017); Warner Classics (2 CDs)

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