Ein Abend mit dem Modigliani Quartett

In der Kölner Philharmonie machte nach vier Jahren Abwesenheit das Modigliani Quartett Station und überzeugte das kleine aber sehr aufmerksame Auditorium.

Das Modigliani Quartett besteht seit 15 Jahren und wirkt doch immer noch jugendlich frisch. Die vier Musiker agieren sehr achtsam, sie sind, wie man landläufig sagt, perfekt aufeinander eingespielt. Dabei dominiert der erste Geiger Amaury Coeytaux in Beethovens Quartett op. 18 Nr. 6 vielleicht etwas mehr, als der musikalische Dialog es erforderlich macht. Die Mittelstimmen (Loic Rio an der zweiten Violine und Laurent Marfaing an der Viola) spielen allerdings auch eher zurückhaltend, es ist fast ein Bruch, wenn Coeytaux die Motive spielt, die durch die Stimmen gehen. Plötzlich leuchten sie. Cellist Francois Kieffer versteht sich nicht nur als harmonischer Grund, sondern auch als höchst sensibler Erzeuger von Atmosphäre.

War das Beethovenspiel der vier Franzosen noch nicht ganz im Gleichgewicht, dabei allerdings schon sehr schön und sinnfällig ausmusiziert, so erreichte das Quartett mit den Trois Pièces von Strawinsky eine perfekte Balance. Diese drei Sätze mit ihren homophonen Dissonanzen und rhythmischen Spitzfindigkeiten gelangen den vier Musikern höchst sensibel und dabei spielerisch. Sie ließen eine bei allem kompositorischen Tiefgang feinsinnige Facette Strawinskys aufscheinen.

Mit dem B-Dur Quartett op. 67 von Johannes Brahms schließlich vollendeten die vier Männer die Qualität ihres Zusammenspiels. Die luzide Leichtigkeit, die Brahms hier aufgeschrieben hat, Mozart- und Mendelssohn-Zitate inklusive, inspirierte ihre Spiellaune. Und bedingt auch durch die tragende Rolle, die im dritten und vierten Satz der Bratsche zukommt, ging die Dominanz der Ersten Geige auf in den wunderbar austarierten Wohlklang des Ensembles. Der beschwingte Ton übertrug sich auch auf die Zugabe, das charmant tänzelnde Intermezzo aus Korngeld zweitem Streichquartett.

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