Bach-Museum in Leipzig. Bild: Jens Volz
Bach-Museum in Leipzig. Bild: Jens Volz

Drei Frauen: Bach, Mendelssohn, Schumann

Das Bach-Museum in Leipzig vergleicht die Leben dreier prominenter Musikerinnen.

Der 200. Geburtstag von Clara Schumann bietet den willkommenen Anlass, in einer vergleichenden Ausstellung drei Musikerinnen in den Blick zu nehmen, die aufgrund ihrer bekannten Namen seit einigen Jahrzehnten in Forschung und Öffentlichkeit auf wachsendes Interesse stoßen: die Hofsängerin Anna Magdalena Bach, geb. Wilcke (1701-1760) sowie die Pianistinnen und Komponistinnen Fanny Hensel, geb. Mendelssohn (1805-1847) und Clara Schumann, geb. Wieck (1819-1896). Ihre Lebensdaten umfassen zwei Jahrhunderte, in denen sich die Handlungsspielräume und Tätigkeitsfelder von Musikerinnen wandelten und erweiterten.

Die Ausstellung beleuchtet den familiären Hintergrund, das gesellschaftliche Umfeld und die wichtigsten Künstlerbeziehungen der drei Musikerinnen und würdigt ihr vielseitiges Wirken als Interpretinnen, Komponistinnen, Konzertorganisatorinnen, Herausgeberinnen und Musikalienhändlerinnen. Ihre Beschäftigung mit der Musik Johann Sebastian Bachs zieht sich als roter Faden durch die Ausstellung.

Drei Künstlerinnenleben mit Bach

Am 3. Dezember 1721 heiratete die 20-jährige Hofsängerin Anna Magdalena Wilcke den verwitweten, 36 Jahre alten Köthener Kapellmeister Johann Sebastian Bach. Einige wenige gemeinsame Reisen und Konzertauftritte der Eheleute sind belegt. Das Klavierbüchlein für Anna Magdalena, das Johann Sebastian 1725 für seine Frau anlegte, ist eines der raren Zeugnisse zur Familiengeschichte. Es enthält Einträge der Eltern und Kinder, vom Hauslehrer und von Gästen. Anna Magdalena trug Klavier- und Gesangsstücke ein, notierte aber auch ein Hochzeitsgedicht und Generalbassregeln. Sie kopierte zudem zahlreiche Werke Bachs und war nach dem Tod ihres Mannes Vertriebspartnerin für die Druckausgaben von J. S. Bachs Kunst der Fuge und C. P. E. Bachs Lehrwerk Versuch über die wahre Art das Clavier zu spielen.

Fannys Hensels Mutter Lea Mendelssohn Bartholdy, selbst eine ausgezeichnete Pianistin, entfachte Fannys Begeisterung für die Musik Johann Sebastian Bachs. Das Wohltemperierte Klavier bildete den Grundpfeiler ihres anspruchsvollen Klavierunterrichts. Kompositionsunterricht erhielt Fanny bei Carl Friedrich Zelter, der eine Schlüsselrolle in der Berliner Bach-Rezeption spielte. Die tiefe Verehrung für Johann Sebastian Bach teilte Fanny mit ihrem Bruder Felix, der ihr den Spitznamen »Cantor« verlieh. Die Beschäftigung mit der Musik Bachs inspirierte die Komponistin Fanny Hensel zu Kantaten wie dem Lobgesang. Ihr einziger Sohn erhielt den Rufnamen Sebastian nach ihrem Lieblingskomponisten.

Clara Schumann schätzte die Werke Johann Sebastian Bachs ebenfalls und interpretierte sie regelmäßig in ihren Konzerten. Der künstlerische Dialog mit ihrem Ehemann Robert Schumann und das gemeinsame Studium der Musik Johann Sebastian Bachs gaben ihr als Komponistin und Interpretin wichtige Impulse. Die Beschäftigung mit der Musik des Barockkomponisten mündete in Werken wie den Präludien und Fugen nach Themen Bachs und Schumanns und dem Klaviertrio in g-Moll op. 17, ihrem umfangreichsten Werk.

Kostbare Originale und viel Musik

Zu sehen sind kostbare Originale wie das bekannte Notenbüchlein für Anna Magdalena Bach sowie der von Bach inspirierte Lobgesang von Fanny Hensel und Clara Schumanns Fugenstudien über Themen von Johann Sebastian Bach. Briefe von Fanny und Felix Mendelssohn Bartholdy und das Ehetagebuch von Clara und Robert Schumann erzählen vom Austausch der Geschwister beziehungsweise Eheleute. Während Briefe, Porträts und Tagebücher tiefe Einblicke in die Persönlichkeit und Gedankenwelt von Fanny Hensel und Clara Schumann gewähren, ist die Quellenlage zu Anna Magdalena Bach schwieriger. Informationen über sie müssen aus amtlichen Dokumenten, Kirchenbüchern und Notenabschriften herausgefiltert werden. Ausgestellt ist unter anderem ein erst kürzlich entdeckter Zahlungsbeleg, durch den bekannt wurde, dass der erwachsene, geistig behinderte Sohn Gottfried Heinrich nach Bachs Tod weiterhin bei seiner Mutter Anna Magdalena lebte.

Zahlreiche Hörstationen bringen die Kompositionen, Konzertprogramme sowie Brief- und Tagebuchausschnitte zum Klingen und führen in die Welt der Musikerinnen und ihre Beziehung zu Johann Sebastian Bach ein.

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