Eine Seite aus Beethovens Konversationsheft vom 24. November 1826. Bild: Staatsbibliothek zu Berlin
Eine Seite aus Beethovens Konversationsheft vom 24. November 1826. Bild: Staatsbibliothek zu Berlin

„Diesen Kuß der ganzen Welt!"

Kulturstaatsministerin Grütters eröffnete die Beethoven-Ausstellung der Staatsbibliothek zu Berlin, darin die Sinfonien Nr. 5 und Nr. 9 sowie der Brief an die Unsterbliche Geliebte.

Im Rahmen eines Rundgangs eröffnete Kulturstaatsministerin Monika Grütters die Ausstellung „Diesen Kuß der ganzen Welt! -  Die Beethoven-Sammlung der Staatsbibliothek zu Berlin". Aus der größten Sammlung von Autographen Ludwig van Beethovens (1770-1827) wurde eine in ihrer Qualität und Fülle nie dagewesene Ausstellung erarbeitet. Sie ist Teil des bundesweiten Programms BTHVN2020 anlässlich des 250. Geburtstages des Komponisten und Klaviervirtuosen Ludwig van Beethoven. Die Ausstellung ist zu sehen in der Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz, Unter den Linden 8, 10117 Berlin, bis zum 30. April 2020, mittwochs, freitags, samstags 11-18 Uhr, donnerstags 11-20 Uhr, Eintritt frei, Begleitband mit 208 Seiten zu 25 Euro.

Hermann Parzinger, Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz sagt dazu: „Keine Institution hat wie die Staatsbibliothek zu Berlin Autographen des Komponisten in dieser Fülle und Qualität gesammelt. Sie haben jetzt für einige Wochen die Tresore verlassen und so können wir uns auf eine ganz besondere Ausstellungsrarität freuen."

„Durch die kluge Erwerbungspolitik unserer Vorgänger wurde hier in Berlin zwischen 1841 und 1908 dieser unermesslich wertvolle Schatz an Beethoven-Autographen aufgebaut. 221 Musikautographe, darunter die Sinfonien Nr. 4, 5, 8 und 9, sowie vier der fünf Klavierkonzerte, des Weiteren 137 von überhaupt nur 139 überlieferten Konversationsheften Beethovens, sodann 380 Briefe, dabei auch der von ihm verfasste an die Unsterbliche Geliebte – all das steht für das außerordentliche Lebenswerk Ludwig van Beethovens", sagt Barbara Schneider-Kempf, Generaldirektorin der Staatsbibliothek zu Berlin.

In der Ausstellung sind 135 Exponate zusammengetragen, darunter seine beiden berühmtesten Sinfonien, Briefe von und an Beethoven, fünf Konversationshefte und zehn musikalische Skizzen.

Ausgestellt sind etwa die Partituren seiner berühmtesten Sinfonien, der 5. Sinfonie in c-Moll op. 67 und in mehreren Teilen der 9. Sinfonie in d-Moll op. 125. In diesen Autographen zeigen zahlreiche Streichungen, Anmerkungen und Ergänzungen den intensiven Schaffensprozess des Komponisten.

Zu sehen ist auch die letzte seiner Klaviersonaten, Nr. 32 in c-Moll op. 111, wie auch das Klavierkonzert Nr. 5 in Es-Dur op. 73.

Die drei Fassungen seiner einzigen vollendeten Oper Leonore/Fidelio op. 72 verdeutlichen seine über zehnjährige Beschäftigung mit diesem Werk.

Fünf seiner Konversationshefte – von 139 überlieferten besitzt die Staatsbibliothek 137 – dokumentieren, wie der nahezu ertaubte Komponist „Gespräche" führte.

Das für die Wissenschaft wohl nach wie vor rätselhafteste Lebensdokument Beethovens ist sein Brief an die Unsterbliche Geliebte. An wen dieser Brief gerichtet war, ist bislang nicht geklärt. Er war in Beethovens Nachlass verblieben, nun befindet er sich in der Ausstellung.

Das Oratorium Christus am Ölberge op. 85 gehört zu den wenigen geistlichen Werken, die Beethoven schuf. Weniger bekannt dürfte seine Befassung mit Volksliedern sein - allein zwischen 1809 und 1820 schrieb Beethoven für einen schottischen Verleger über 170 Volksliedbearbeitungen nieder, einige davon sind zu sehen.

Eine andere Facette Beethovens zeigt die eigens für die Ausstellung geschaffene Graphic Novel „Die neue Musik" des Berliner Künstlers Mikael Ross, der einen fiktiven Tag in der Kindheit des jungen Ludwig darstellt.

Nie zuvor wurden durch die Bibliothek der Öffentlichkeit gleichzeitig so viele Werke und Lebenszeugnisse Ludwig van Beethovens vorgestellt. Zwar war im Jahr 1908 die Beethoven-Sammlung der heutigen Staatsbibliothek zu Berlin bereits weitgehend aufgebaut, jedoch spiegelten sich auch im Schicksal dieser außerordentlichen Sammlung fortan die politischen und gesellschaftlichen Entwicklungen Deutschlands im 20. Jahrhundert mit zwei Weltkriegen und der Jahrzehnte dauernden Teilung des Landes wider. Erst nach der Wiedervereinigung beider deutscher Staaten konnte die Sammlung im Haus Unter den Linden wieder zusammengeführt werden. Heute lagert der Beethoven-Schatz in modernen Tresoren unter konservatorisch besten Bedingungen. Wir zählen 19.300 von Ludwig van Beethoven mit Kompositionen und Skizzen beschriebene Seiten, des Weiteren ca. 10.000 Seiten handschriftlicher Konversationen, Briefe und andere Dokumente, ergänzt durch 965 Erst- und Frühdrucke Beethovenscher Werke.

Seit dem Jahr 2019 kann sämtliches Material der Beethoven-Sammlung der Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz online recherchiert und in hoher Auflösung betrachtet werden. Sowohl die wissenschaftliche Erschließung, Digitalisierung und Onlinestellung wie auch die Ausrichtung der Ausstellung „Diesen Kuß der ganzen Welt!" wurden von der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien finanziert.

 

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