Baltic Sea Philharmonic. Foto: Peter Adamik
Baltic Sea Philharmonic. Foto: Peter Adamik

Die Sonne kommt aus dem Norden

Das Baltic Sea Philharmonic und Kristjan Järvi touren mit „Midnight Sun" diesen Sommer in Deutschland und Österreich.

Begleitet von der Violinistin Mari Samuelsen und Mick Pedaja als Special Guest, kehrt das Orchester am 26. Juni in die Berliner Philharmonie und am 2. Juli in Hamburgs Elbphilharmonie zurück. Ein weiteres Konzert führt das Ensemble nach Ossiach in Österreich, am 29. Juni, in den Alban Berg Konzertsaal der Carinthischen Musikakademie. Zuletzt trat das Orchester 2014 in der Berliner Philharmonie auf und debütierte im August 2017 mit seiner spektakulären Konzertshow „Waterworks" in der Elbphilharmonie. Karten für das diesjährige Sommerkonzert in der Elbphilharmonie waren bereits nach nur elf Minuten ausverkauft.

„Midnight Sun" feiert die Natur und die Einheit im Norden, verleiht dem klassischen Konzert mit unverwechselbaren, innovativen Aufführungen aber auch neue Impulse. Das Phänomen der Sonne, die auch nachts niemals untergeht, ist typisch für die Zeit der Sommersonnenwende im fernen Norden Norwegens, Finnlands, Schwedens, Russlands und anderer Länder des Polarkreises. „Es ist ein Phänomen, das zwar gewissermaßen die nordischen Länder bevorzugt", sagt Kristjan Järvi, „es vereint aber auch die Gemeinschaften des Nordens. Mit unserem Programm wollen wir diese Botschaft der Einheit auch nach Deutschland und Österreich bringen."

Midnight Sun mit Songwriter

„Midnight Sun" beginnt mit einer besonderen Zusammenarbeit: Nach seinem beachtenswerten Debüt während der „Nordic Pulse"-Tour des Orchesters im März 2019 kehrt der preisgekrönte estnische Singer-Songwriter Mick Pedaja zurück, um Lieder seines 2016er Album Hingake/Breathe und seinem jüngsten Album Avaimus zu singen. Spezielle Orchesterarrangements des US-Komponisten Charles Coleman unterstreichen Pedajas Gespür für nordische Landschaften, das seinen Songs mystische Qualität und kraftvollen Ausdruck verleiht. Begleitet von seiner Frau Angeelia, kehrt Pedaja nun zurück um weitere Songs mit dem Orchester aufzuführen.

Nach der einmaligen Eröffnung, führt das Baltic Sea Philharmonic Einojuhani Rautavaaras „Cantus Arcticus" auf, ein Konzert für Vogelstimmen und Orchester, das auch Aufnahmen von Vogelgesängen enthält, die im Polarkreis – den Sumpfgebieten von Liminka im Norden Finnlands – aufgenommen wurden. Die norwegische Geigerin Mari Samuelsen, die auf der „Nordic Pulse"-Tour 2018 ihr Debüt beim Baltic Sea Philharmonic feierte, spielt mit dem Orchester vier weitere Werke. Kristjan Järvis Violinkonzert „Aurora", das von der Aurora borealis, der Magie des Polarlichts, inspiriert ist. Samuelsen beschreibt „Aurora" als „eine Reise in die Weiten des Weltraums: Du hast das Gefühl zwischen den Sternen und Planeten zu treiben." In Arvo Pärts „Fratres", ein Klassiker seines durch mystische Erfahrungen mit dem Kirchengesang inspirierten Tinntinnabuli-Stil, spielt die Violinistin Variationen über den Streichern und Perkussionsinstrumenten, die atemberaubende Virtuosität mit lyrischer Gelassenheit vereinen. Es folgt Pēteris Vasks meditatives Violinkonzert „Lonely Angel" Vientuļais Eņģelis. Das letzte Stück mit Samuelsen ist Dona Nobis Pacem des Deutsch-Britischen Komponisten Max Richter. In wenigen Minuten schwingt es sich von ruhiger Kontemplation zu einem kraftvollen Höhepunkt auf. „Midnight Sun" gipfelt schließlich im magischen Licht des Feuervogels, aus der russischen Folklore, in Form von Strawinskys 1945er Version seines großen Balletts „Der Feuervogel".

Alles aus dem Kopf

Im Jahr 2017 schrieb das Baltic Sea Philharmonic Geschichte, indem es als erstes Orchester der Welt Strawinskys „Der Feuervogel" vollständig auswendig spielte und der Aufführung damit eine spannende, neue Dimension verlieh. Das Spiel ohne Noten ist inzwischen zu einem Markenzeichen des Ensembles geworden. In diesem Sommer memoriert das Orchester das gesamte Programm von „Midnight Sun". In Berlin und Hamburg spielen die Musiker 100-Minuten nahezu ohne Pause, als wäre das Konzert ein einziger mitreißender Track, der das Publikum in die Welt der Mitternachtssonne entführt. „Beim Auswendigspiel geht es um Chemie und Kommunikation", sagt Järvi. Auswendig zu spielen intensiviert die Verbindung zwischen den Musikern, bringt sie näher zusammen und ist Ausdruck der Mission des Baltic Sea Philharmonic, Menschen in der gesamten nordischen Region zu vereinen.

Im September touren Kristjan Järvi und das Baltic Sea Philharmonic durch Italien und Deutschland mit „Divine Geometry". Das Programm erkundet die Verbindungen zwischen Barockmusik und dem amerikanischen Minimalismus. Die US-amerikanische Pianistin Simone Dinnerstein begleitet das Baltic Sea Philharmonic mit Philip Glass' Klavierkonzert Nr. 3. Steve Reichs „Music for Ensemble and Orchestra", vom Baltic Sea Philharmonic, New York Philharmonic, Los Angeles Philharmonic, San Fransisco Symphony, London Symphony Orchestra und Sydney Symphony Orchestra in Auftrag gegeben, erklingt dann auch zum ersten Mal in Deutschland, am 21. September beim Usedomer Musikfestival im Kraftwerk Peenemünde, dem Geburtsort des Orchesters.

"Progressive Kraft des Nordens"

Die „Midnight Sun"-Tour ist die zweite Tour des Orchesters im Jahr 2019, neben „Nordic Pulse" im März und „Divine Geometry" im September. Seit seiner Gründung 2008, initiiert durch das Usedomer Musikfestival, realisierte das Baltic Sea Philharmonic über 100 Konzerte vor mehr als 110.000 Konzertgängern in 15 Ländern – von Europa bis in die Vereinigten Arabischen Emirate. Dabei tritt das Baltic Sea Philharmonic an, die Präsentation und Aufführung von Musik im 21. Jahrhundert zu revolutionieren. Unter der mitreißenden Leitung seines künstlerischen Leiters Kristjan Järvi strahlen die Aufführungen ansteckende Leidenschaft und Energie aus und sind Spektakel, die Klang-, Licht- und Projektionskunst, aber auch Choreografien zu einzigartigen Konzerterfahrungen verschmelzen. Mehr als das, ist das Baltic Sea Philharmonic eine Bewegung, die Menschen zusammenbringt und eine Gemeinschaft von Musikern aus zehn Ländern, die ebenso mühelos geographische, wie historische Grenzen überwindet. Indem das Ensemble die ganze innovative und progressive Kraft des Nordens verkörpert, führt es dabei das traditionelle Verständnis vom Orchester weiter als je zuvor.

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