Komische Oper Berlin. Foto: Jan Windszus
Komische Oper Berlin. Foto: Jan Windszus

Die Show muss weitergehen!

Intendant Barrie Kosky von der Komischen Oper wirft einen Blick auf die Zeit nach Corona.

Eine Spielzeitpräsentation in Zeiten der Corona-Pandemie, wenn kein Theater spielen darf, keine größeren Versammlungen stattfinden dürfen, sei eine Herausforderung, stellt Barrie Kosky fest, Intendant und Chefregisseur der Komischen Oper. Zur aktuellen Situation und zum Musiktheater-Programm der nächsten Spielzeit erklärt er:

»In diesen unsicheren und außergewöhnlichen Zeiten erscheint es ein wenig seltsam, die Spielzeit 2020/21 an unserem Haus anzukündigen. Angesichts der Tatsache, dass so viele unserer Kolleg*innen ganze Rest-Spielzeiten und Sommerfestivals streichen und einer verheerenden finanziellen Zukunft entgegensehen, haben wir lange erwogen, die Ankündigung der kommenden Spielzeit zu verschieben. Doch am Ende kamen wir zu dem Schluss, dass dieser Ausblick auf Kommendes nicht nur für die 450 unermüdlich für die Komische Oper wirkenden Mitarbeiter*innen, sondern auch für unser treues Publikum wichtig ist. Der Wille zur stetigen Ausweitung der Grenzen des Musiktheaters kann in der augenblicklichen Situation zu Recht keinerlei Dringlichkeit für sich beanspruchen. Aber diese Situation wird irgendwann vorbei sein, und mit der Vielfalt und Fülle unserer Premieren und Wiederaufnahmen wollen wir unseren Künstler*innen und unserem Publikum ermöglichen, einen positiven Blick in die Zukunft zu werfen.

In der kommenden Spielzeit präsentieren wir vier überragende Musiktheaterwerke des 20. Jahrhunderts. Vier Meisterwerke, die die Wahrnehmung davon, was Oper sein kann, verändert haben: Katja Kabanowa, Aufstieg und Fall der Stadt Mahagony, Pierrot Lunaire and Œdipe. Mit Katja Kabanowa kehrt das ehemalige Ensemblemitglied Maria Bengtsson an unser Haus zurück und ein Shootingstar aus Litauen, die Dirigentin Giedrė Šlekytė, gibt ihr Debut bei uns. Dagmar Manzel ist der Star von Pierrot Lunaire und Allan Clayton kehrt als Jimmy in Mahagonny zurück an unser Haus.

Unsere Paul-Abraham-Weihnachtoperetten-Serie wird mit seinem berühmtesten Werk, Die Blume von Hawaii, fortgesetzt, und gemeinsam mit den Berliner Philharmonikern und dem Berliner Ensemble präsentieren wir ein außerordentliches Festival, das die Musik von Kurt Weill feiert. Regisseur Tobias Kratzer wirft den Zigeunerbaron auf unsere Bühne und die Geschwister Pfister bringen ihre sensationell schräge, jazzige Version der Fledermaus nach Berlin. Dazu noch meine Produktionen von Orpheus in der Unterwelt von den Salzburger Festspielen und Les Boréades aus Dijon und es dürfte klar werden, dass wir unsere Linie fortsetzen, ein möglichst breites Spektrum davon zu bieten, was Musiktheater in seiner ganzen Vielfalt fähig ist auszudrücken.

Die Show muss weitergehen! – Das gilt im Theater als ein fast ehernes Gesetz. Im Augenblick jedoch ist genau das unmöglich. Aber wir können uns mit all unserer Kraft zurufen: Die Show wird weitergehen!«

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