Julia Cadotsch mit ihrem Deutschen Jazzpreis. Bild: Fynn Freund
Julia Cadotsch mit ihrem Deutschen Jazzpreis. Bild: Fynn Freund

Deutscher Jazzpreis – „wunderbar“

Die Premiere des Deutschen Jazzpreises war im Livestream zu erleben. Unser Jazz-Redakteur Dr. Berthold Klostermann hat zugesehen.

Jazz in Deutschland ist hochkarätig, divers und durchweg anspruchsvoll, nicht selten fehlen nur die Worte dafür. Bei der Premiere des Deutschen Jazzpreises jedenfalls, die jetzt von vier Locations aus per Livestream übers Netz ging, war „wunderbar“ das meistbemühte Adjektiv, dicht gefolgt von „toll“. Durch den Abend führte Pinar Atalay, die sich beiläufig als Jazzfan outete, ansonsten aber ziemlich steif im Hamburger Jazzpreis-Studio stand. Aus zugeschalteten, Corona-konform mit Musikern und Publikum besetzten Clubs in Berlin (A-Trane), Mannheim (Ella & Louis) und München (Unterfahrt) moderierten Rundfunkleute von rbb, SWR und BR.

Nach Einstellung des Echo Jazz vor drei Jahren gibt es also einen neuen, mit 10.000 Euro auch vorzeigbar dotierten künstlerischen Preis, mit dem Kulturstaatsministerin Monika Grütters als Schirmherrin „das Scheinwerferlicht auf Vielfalt, Kreativität und kommunikative Kraft des Jazz“ richten will. 31 Auszeichnungen waren zu vergeben, in jeder Kategorie gab es drei von einer Fachjury nominierte Kandidaten. Unter den Preisträgern waren Arrivierte, wie Aki Takase (Klavier) oder Markus Stockhausen (Blechblasinstrumente), vor allem aber Vertreter der jungen Szene, wie Ronny Graupe (Gitarre), Christian Lillinger (Schlagzeug + Künstler des Jahres) oder Fabia Mantwill (Arrangement). Mainstream wurde hier nicht abgefeiert.

Als Laudatoren konnte man mitunter Weltstars gewinnen, so Ute Lemper für Lucia Cadotsch (Vokal), Rolf Kühn für Philipp Gropper’s PHILM (Band des Jahres), Herbie Hancock für Promoter-Legende Karsten Jahnke (Lebenswerk). Und mit mehreren internationalen Preisen sah man gar über den Tellerrand der hiesigen Szene hinaus. Zwar hätten Größen wie Kandace Springs (Vokalalbum), Brian Blade (Schlagzeug) oder Tigran Hamasyan (Klavier + Künstler des Jahres) keinen Deutschen Jazzpreis mehr gebraucht, doch für spektakuläre Aufsteiger wie die Chicagoer Trompeterin Jaimie Branch (Blasinstrumente) oder die österreichische Gruppe Shake Stew (Band des Jahres) dürfte er zur verdienten Beachtung beitragen. Der Preis ist unter Corona-Bedingungen gestartet, die Streaming-Gemeinde war höchst überschaubar. Bleibt zu hoffen, dass er sich in „postpandemischen“ Zeiten zum attraktiven Live-Event entwickelt.

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