Dennis Russell Davies. Foto: Andreas H. Bitesnich
Dennis Russell Davies. Foto: Andreas H. Bitesnich

Dennis Russel Davies übernimmt beim MDR

Mit der Spielzeit 2020/21 wird der gebürtige US-Amerikaner Dennis Russell Davies neuer Chefdirigent des MDR Sinfonieorchesters.

Für die Dauer von vier Jahren wird er die Geschicke des Klangkörpers leiten. Dennis Russell Davies und das MDR-Sinfonieorchester sind sich durch verschiedene gemeinsame Konzerte mit stilistisch vielfältigen Programmen seit Langem verbunden.

Zuletzt war er im Frühjahr 2019 beim MDR zu Gast. Als Chefdirigent folgt er auf Kristjan Järvi, der bis Sommer 2018 am Pult des Orchesters stand.

Das MDR-Sinfonieorchester und die weiteren Klassikangebote des MDR sollen zukünftig in einem Kompetenzzentrum zusammengefasst und gestärkt werden. Das Ziel ist u.a. die bessere Wahrnehmbarkeit der Klassikangebote vor dem Hintergrund der reichen Klassik- Tradition im MDR-Sendegebiet.

Mit Davies hat der MDR einen Chefdirigenten gewählt, der sich in seiner über 50-
jährigen Laufbahn für die zeitgenössische Musik eingesetzt, gleichzeitig dem breiten sinfonischen Repertoire intensive Aufmerksamkeit geschenkt hat. Er prägte die von ihm als Chefdirigent geleiteten Orchester nachhaltig, u.a. durch eine Öffnung zur Moderne und zu neuen Publikumsschichten wie etwa durch Konzerte mit Till Brönner, Dave Brubeck und Keith Jarrett, durch rege Tourneetätigkeit, aber auch durch die beständige Arbeit am sinfonischen Kernrepertoire. Davies engagierte sich bereits in den 70er und 80er Jahren für Komponisten wie Philip Glass, Aaron Copland, Mauricio Kagel, Luciano Berio, John Cage, Hans Werner Henze, Leonard Bernstein, Gija Kantscheli, Arvo Pärt, Manfred Trojahn, Thomas Larcher, Chen Yi, Laurie Anderson und viele andere mehr. Er dirigierte zahlreiche Ur- und Erstaufführungen in Konzert und Oper, darunter aus der legendären Philip-Glass-Trilogie «Satyagraha» und «Echnaton» am Staatstheater Stuttgart in der Regie von Achim Freyer, Henzes «Die englische Katze» und «König Hirsch».

1977 gründete er das American Composers Orchestra in New York mit, das er 25 Jahre leitete; er widmete sich dort der Aufgabe, nicht nur US- sondern auch südamerikanischen Komponisten ein Forum zu bieten. Durch die vielen
Kompositionsaufträge, die er weltweit in fünf Jahrzehnten auf den Weg brachte,
hat er die Musikgeschichte des 20. und des 21. Jahrhunderts mitgeschrieben.
Aber genauso wie den Zeitgenossen widmete er sich den großen Komponisten des
sinfonischen Repertoires: Schostakowitsch, Beethoven, Mahler ebenso wie
- beflügelt durch sein Wirken in Linz - Anton Bruckner, dessen sämtliche Sinfonien
er in allen Fassungen eingespielt hat. Alle 107 Sinfonien von Joseph Haydn hat er
mit dem Stuttgarter Kammerorchester über zwölf Spielzeiten aufgeführt und als
Gesamtaufnahme veröffentlicht. Dies sind nur Bruchteile seiner breit aufgestellten
Diskographie, zu der u. a. auch alle Sinfonien von Philip Glass und Arthur
Honegger, die großen Ballettmusiken von Igor Strawinsky sowohl in der
Orchester-Fassung als auch in der für Klavier vierhändig zählen.

Dennis Russell Davies wurde 1944 im US-Bundesstaat Ohio geboren, studierte
Klavier und Dirigieren an der New Yorker Juilliard School und erarbeitete sich ein
breit gefächertes Repertoire vom Barock bis zur Moderne. Er begann seine Laufbahn als Chefdirigent des Saint Paul Chamber Orchestra. Seit den 1980er Jahren war er vorrangig im deutschsprachigen Raum tätig und wirkte als GMD am Württembergischen Staatstheater Stuttgart und als GMD des Orchesters der Beethovenhalle Bonn, beim Internationalen Beethovenfest und der
Oper Bonn.

Anschließend war er langjähriger Chefdirigent des Radio- Symphonieorchesters Wien und des Stuttgarter Kammerorchesters und übernahm von 1997 bis 2009 eine Professur für Dirigieren am Salzburger Mozarteum. Von 2002 bis 2017 war er Opernchef und Chefdirigent des Bruckner Orchesters Linz und von 2009 bis 2016 Chefdirigent des Sinfonieorchesters Basel. Seit Beginn der Spielzeit 2018/19 ist Dennis Russell Davies Künstlerischer Leiter und Chefdirigent der Filharmonie Brno.

Nach seinem Debut bei den Bayreuther Festspielen (1978 bis 1980) gastierte er mit
einem vielfältigen Opernrepertoire u.a. bei den Salzburger Festspielen, dem
Lincoln Center Festival New York, an der Houston Grand Opera, der Hamburger
und der Bayerischen Staatsoper, der Lyric Opera of Chicago, der Metropolitan
Opera New York, der Opéra National de Paris, dem Teatro Réal in Madrid und an
der Wiener Staatsoper.

Neben dem Dirigieren widmet sich Davies der Kammermusik und ist als Pianist
aktiv. Seit 2003 spielt er gemeinsam im Duo mit seiner Frau Maki Namekawa.
Beide haben zahlreiche CDs eingespielt und gastieren höchst erfolgreich im Inund
Ausland.

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