Christa Ludwig. Bild: Warner Classics / Johannes Ifkovits
Christa Ludwig. Bild: Warner Classics / Johannes Ifkovits

Zum Tod von Christa Ludwig

Sie war Karajans und Bernsteins Lieblingsmezzo und dabei immer sie selber.

In der Welt der Gesangsenthusiasten spielte Christa Ludwig bis zuletzt eine große Rolle, sie gab Meisterkurse und äußerte sich auch in Interviews gerne. Ihren Thron in der Interpretationsgeschichte hat sie 1994 geräumt, indem sie ihre Karriere beendete, die sie 1946 mit 18 Jahren in Frankfurt als Orlowski in der Fledermaus von Johann Strauss begonnen hatte. 1955 kam sie nach weiteren Stationen in Darmstadt und Hannover an die Wiener Staatsoper. Karl Böhm wurde ihr erster Mentor, später waren es dann vor allem Herbert von Karajan und Leonard Bernstein, die wichtige Aufnahmen mit ihr machten. Mahlers "Lied von der Erde" gehört dazu. Sie nahm es häufig auf, unter den genannten Antipoden, natürlich in der legendären Einspielung unter Otto Klemperer mit Fritz Wunderlich, aber auch z. B. mit James Levine, Vaclav Neumann, Carlos Kleiber oder Fritz Reiner.

Musik durch den Klang verstehen – dies war ein Bekenntnissatz der Ludwig. Seine Anwendung auf die Gesangskunst führte aber nie zu einem Baden in Tönen. So sinnlich und voll ihr Stimmklang auch war, Atmung, Phrasierung und der farbenreiche Oberklang blieben immer die Maße, die nie übertreten wurden. Überzogen hat sie gelegentlich allerdings ihre Sehnsucht nach dem "schweren Fach". Isolde und Brünnhilde blieben trotz ernsthafter Annäherung unerreichbar für die lyrische Stimme mit der gewaltigen Expansionsfähigkeit.

Christa Ludwig hat mit einer Natürlichkeit gesungen, die selten ist. Trotz der Abrundung der Vokale blieb ihr Singen der Sprache treu. So konnte sie nicht nur in der Oper, sondern auch als Liedsängerin zu einem Maßstab werden, der bis heute gilt. Das liegt natürlich auch daran, dass sie in diese Welt hineingeboren wurde, ihr Vater war Sänger und Intendant (zu Karajans Aachener Zeit ebendort), die Mutter Sängerin und die einzige Lehrerin von Christa Ludwig. "Da kamen ein paar Gene gut zusammen", hat sie im Gespräch mit August Everding einmal gesagt. Mehr als das: Christa Ludwig wurde eine Jahrhundertsängerin.

Welch ein großes Geheimnis das ist, wird etwa deutlich, wenn sie einer Studentin sagt, die sich an "Morgen" von Richard Strauss versucht: "Sie singen das Lied, das ist ganz verkehrt." Den Gesang in sich aufnehmen, auf sich sinken lassen, um ihn dann weiterzugeben – so einfach wie möglich, nicht singen wollen, nicht sprechen wollen. Genau dieses kunstlose Können, diese Natürlichkeit, die aus der tiefsten Verinnerlichung kommt, machte das Wesen von Christa Ludwigs Kunst aus.

Diese Kunst führte sie an die größten und bedeutendsten Bühnen, Wien, New York, Bayreuth, Salzburg waren wichtige Zentren ihrer Karriere. Und oft stand sie im Studio, so dass viele ihrer Partien und viele ihrer Liedprogramme der Nachwelt erhalten bleiben. Vieles davon darf bis heute als vorbildlich gelten, weil der Gesangsstil von Christa Ludwig bei aller tiefen Empfindung immer die Form wahrt. Für die nachfolgenden Generationen verkörpert sie ein Ideal, das bei aller Größe menschlich bleibt. Und vielleicht ist das das eigentliche Geheminis.

 

 

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