Chor der Kölner Akademie | Telemann: Oratorium zur Einweihung der neuen St. Michaelis-Kirche 1762

Chor der Kölner Akademie | Telemann: Oratorium zur Einweihung der neuen St. Michaelis-Kirche 1762

Am 10. März 1750 fiel die fünfte Hamburger Hauptkirche einem durch einen Blitzeinschlag entfachten Brand zum Opfer. Zwölf Jahre später konnte die neue St.-Michaelis-Kirche als spätbarocker Prachtbau (noch ohne Turm) eingeweiht werden, und aus diesem Anlass schrieb Telemann sein Oratorium „Komm wieder, Herr, zu der Menge der Tausenden in Israel“. Auf verschiedenen Ebenen werden im Text Bezüge zu dem historischen Ereignis und zu den beiden das Werk rahmenden Predigten, aber auch zum Selbstverständnis der Hamburger mit all ihren inneren Spannungen hergestellt.


Für den 81-jährigen Komponisten war dies ein gefundenes Fressen: Er lief wieder zu Höchstform auf und zog alle Register der Textauslegung. Dass er dabei das gesamte stilistische Spektrum vom strengen Satz alter Schule bis hin zu moderner Galanterie abdeckte, ist typisch für sein nie erlahmendes Interesse an passenden Formulierungen.
Michael Alexander Willens orientiert sich in seiner Ersteinspielung ziemlich genau an der überlieferten Originalbesetzung, wählt also einen recht großen Streicherapparat, aber nur fünf Solo- und vier Ripieno-Sänger. Mit der entsprechenden Aufstellung kann das Ergebnis rundum überzeugen, selbst in den Sätzen, in denen zwei antiphonale Trompetenchöre mitwirken. Auch sonst ist die Interpretation ein Glücksfall: Willens arbeitet die Konturen der einzelnen Passagen ebenso plastisch heraus wie die großen Bögen, die sich über das gesamte Werk spannen, aber er übertreibt dabei nicht, sondern trägt auch dem erbaulichen und repräsentativen Charakter dieses Oratoriums Rechnung. Aus der exquisiten Solistenriege ragt Klaus Mertens mit einer seiner besten jemals auf CD festgehaltenen Leistungen hervor.

Matthias Hengelbrock

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Telemann: Michaelis-Oratorium; Rahel Maas, Marian Dijkhuizen, Julian Podger, Klaus Mertens, M. Borgioni, Kölner Akademie, Michael A. Willens (2018); cpo

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