Eva Marton. Foto: Laszlo Emmer
Eva Marton. Foto: Laszlo Emmer

"Carlo Bergonzi musste sich nicht groß bewegen"

Drei Fragen an Éva Marton anlässlich eines Meisterkurses für Gesangsstudierende im Studiotheater Belvedere in Weimar.

Frau Marton, was ist für Sie das Wichtigste in Ihrem Gesangsunterricht?

Éva Marton: Ich unterrichtete heute als Professorin an der Franz-Liszt-Musikuniversität in Budapest in jenem Raum, in dem ich einst selbst studierte, fieberte und Prüfungen ablegte. Zu meinen Studenten bin ich genauso streng wie damals zu mir selbst, denn Erfolg ist nur durch harte, beharrliche Arbeit zu erringen. Zu Beginn jedes Studienjahres bringe ich immer auf den Punkt, was ich für unabdingbar halte: Reinheit, Hingabe ans Singen, sowie Ausdruck. Dabei möchte ich mich nicht selbst in meinen Studenten wiedersehen, sondern wir arbeiten gemeinsam an der Entfaltung ihres eigenen, individuellen Charakters.

Was müssen Studierende heutzutage erlernen, um beruflich erfolgreich zu sein?

Marton: Heute muss ein Sänger Anforderungen gerecht werden, die früher noch nicht zu den grundlegenden Erfordernissen gehörten. Beispielsweise ist Carlo Bergonzi seinerzeit zum Publikumsliebling geworden, ohne dass er sich groß bewegen musste. Es genügte, dass er wunderschön sang. Ein Regisseur unserer Tage könnte mit ihm dagegen wohl nur wenig anfangen. Ich denke, das richtige Maß entscheidet: Stimme, Spiel, Teamgeist, sowie die eigene Präsentation müssen im Einklang stehen.

Wie haben Sie es geschafft, in Ihrer langen Karriere stimmlich fit und körperlich gesund zu bleiben?

Marton: Ich verdanke es der Natur, meinen Eltern und dem lieben Gott, dass ich mit einem starken Körperbau und nicht zuletzt mit einem Gesangstalent gesegnet wurde. Während meiner 43-jährigen Karriere hatte ich zum Glück viele schöne Erlebnisse, ich bin sozusagen an allen großen Opernhäusern, Konzertsälen und Festivals der Welt aufgetreten. Meine Ausdauer und meine Liebe zum Teamwork verdanke ich dem Sport, ich war Nationalspielerin im Volleyballteam. Ich habe nie geraucht, kaum Alkohol getrunken und war auch im Nachtleben kaum unterwegs. Mein Mann, der als Chirurg arbeitete und gleichzeitig auch während meiner gesamten Karriere mein Manager war, hat mich in jeglicher Weise unterstützt.

 

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