Bühnenverein kritisiert Arbeitsgericht

In Erfurt sollte die GMD-Stelle neu besetzt werden - nicht rechtskonform, wie das Landesarbeitsgericht feststellte.

In einer Pressemitteilung zum Urteil des Landesarbeitsgerichts Erfurt teilt der Deutsche Bühnenverein mit, er sei überrascht, dass die Anwendung des Artikels 33 GG ("Gleichbehandlungsgebot") auch für Stellen für Künstler gelte. Keiner der Richter sah darin eine Einschränkung der Kunstfreiheit nach Artikel 5 Abs. 3 GG. Sie bemängelten die nicht ausreichend durchgeführte Dokumentationspflicht im Bewerbungsverfahren des Generalmusikdirektors (GMD). Nach Auffassung des Gerichts besteht bei Anwendung des Art. 33 GG aber eine solche Dokumentationspflicht.

Der Bühnenverein sieht zwar großen Handlungsbedarf, gegen dieses Urteil vorzugehen, empfiehlt aber dem Theater Erfurt das Auswahlverfahren aus sachlichen Gründen abzubrechen, um keine Zeit für künftige Spielpläne zu verlieren. Dieser Empfehlung folgt die Stadt Erfurt und ihr Theater, ohne dass ihr ein finanzieller Schaden entsteht.

Sollte zukünftig dieses Urteil noch einmal eine Rolle spielen, würde der Deutsche Bühnenverein dies zum Anlass nehmen, gegebenenfalls bis zum Bundesverfassungsgericht zu gehen, da diese richterliche Entscheidung im erheblichen Maße der etablierten Praxis künstlerischer Engagements in der deutschen Theaterlandschaft widerspricht. Das Grundgesetz regelt auch die Kunstfreiheit. „Eine Besetzung von GMD-Positionen nach Grundsätzen des Beamtenrechts wäre ein Desaster für die Orchester und Theater. Solche Fälle sind uns weder auf dem nationalen, noch auf dem internationalen Parkett bekannt“, kommentiert der Präsident des Deutschen Bühnenvereins Ulrich Khuon. 

Die künstlerische Arbeit des Philharmonischen Orchesters Erfurt wird durch diese juristische Entscheidung keineswegs beeinträchtigt. Der Dirigent Myron Michailidis wird als „Conducter in Residence“ für zwei Spielzeiten von 2020 bis 2022 eingeladen. Die GMD-Stelle wird demnächst neu ausgeschrieben.

Hintergrund: Ab der Spielzeit 2020/21 suchte das Theater Erfurt einen Generalmusikdirektor. 121 Bewerber haben ihr Interesse an der Nachfolge von Joana Mallwitz bekundet. Mit dem Orchestervorstand einigte man sich auf zehn Kandidaten, die man für eine Probe und ein Konzert zum Vordirigat einlud. Danach schied die Hälfte aus, und die anderen fünf leiteten eine Opernvorstellung. Am Ende blieben drei Dirigenten übrig, die sich erneut beweisen durften und zu einem persönlichen Gespräch nochmals eingeladen wurden. 

Der Kläger Adrian Müller kam nur durch ein Nachrückverfahren zunächst auf Platz 10. Er schaffte es nicht unter die letzten drei Kandidaten und verklagt seitdem das Theater Erfurt wegen nicht korrekten Auswahlverfahrens, wonach er sich auf den Artikel 33 des Grundgesetzes beruft. Dieser formuliert das Gleichbehandlungsgebot und einen Grundsatz der Besten-Auslese beim Zugang zu öffentlichen Ämtern. 

Die Affäre hatte auch zu Spannungen zwischen dem Intendanten Guy Montavon und dem Orchester geführt, wie die Thüringer Allgemeine berichtet hatte. https://www.thueringer-allgemeine.de/kultur/prozess-um-generalmusikdirektor-theater-erfurt-im-schwebezustand-id228577525.html

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