Einblick in die Notenstecherei des Verlages Breitkopf & Härtel in der Nürnberger Straße in Leipzig. Bild: Breitkopf & Härtel
Einblick in die Notenstecherei des Verlages Breitkopf & Härtel in der Nürnberger Straße in Leipzig. Bild: Breitkopf & Härtel

Breitkopf & Härtel feiert 300 Jahre

Der bedeutende Musikverlag Breitkopf & Härtel präsentiert eine Chronik zum 300-jährigen Bestehen.

Von Leipzig aus schrieb Breitkopf & Härtel europäische Musik- und Kulturgeschichte. Die anlässlich des 300-jährigen Verlagsjubiläums erschienene Chronik (herausgegeben von Verlagslektor Thomas Frenzel, 504 Seiten) lässt die außergewöhnliche Erfolgsgeschichte, charakterisiert durch zahlreiche Pionierleistungen und anekdotische Begebenheiten, lebendig werden. Die Entstehung der gesamten Musikverlagsbranche sowie die Entwicklung Leipzigs zur Musikstadt und zum „Mittelpunkt des Weltbuchhandels" wird dabei ebenso illustriert wie die Tatsache, dass Breitkopf & Härtel wesentlich zu beidem beigetragen hat. Historische Bild- und Textdokumente, Aufsätze zur thematischen Vertiefung sowie Anekdoten zeichnen ein abwechslungsreiches Bild von dem Unternehmen: Es steht  u.a. für die Erfindung des Notentypendrucks, die ersten postumen Drucke der Werke Johann Sebastian Bachs, die Veröffentlichung der ersten Gedichte Goethes. Außerdem verfügte Breitkopf & Härtel zeitweise über den größten verlagseigenen Druckereibetrieb weltweit, brachte die ersten Musikalienkataloge mit Werkincipits auf den Markt und bildete zahlreiche Verleger wie C. F. Peters, Giovanni Ricordi und Ernst Rowohlt aus.

Auf fast 200 Jahre Zusammenarbeit blicken dabei der älteste Musikverlag der Welt und das älteste bürgerliche Orchester der Welt, das Gewandhausorchester. Zur Präsentation der Chronik im Gewandhaus verdeutlichten Gewandhausdirektor Prof. Andreas Schulz und Verlagsleiter Nick Pfefferkorn die gemeinsame historische Bedeutung beider Leipziger Protagonisten. „In der Entwicklung Leipzigs als Musikstadt spielen Breitkopf & Härtel als Uraufführungsverlag und das Gewandhausorchester als Uraufführungsorchester seit jeher eine essenzielle Rolle. Wir schauen heute auf eine in der Musikwelt einzigartige historische Verbindung, die einen großartigen Rahmen für die Präsentation der Chronik zum 300. Verlagsjubiläum bildet", so Prof. Andreas Schulz.

 Uraufgeführt wurden Beethovens Tripelkonzert op. 56 (1808), Schuberts Große Sinfonie C-Dur (1839), Mendelssohns Violinkonzert op. 64 (1845) u.a. Zudem erfuhren die Konzerte und Werke durch Rezensionen in der ersten deutschen Musikzeitschrift, der von Gottfried Christoph Härtel 1789 gegründeten „Allgemeinen musikalischen Zeitung", große Aufmerksamkeit weit über die Stadtgrenzen hinaus. Die Verleger waren u.a. Mitglied der Direktion des Gewandhauses und Mitbegründer der Bach-Gesellschaft zu Leipzig.

Das 1719 in Leipzig von Bernhard Christoph Breitkopf gegründete Untrnehmen, basierend auf einer kleinen Druckerei aus dem Jahre 1542, etablierte sich schnell zu einem Fachverlag für schöngeistige und wissenschaftliche Literatur. Dem erstaunlichen Erstwerk, einer hebräischen Bibel (1725) folgten Johann Christoph Gottscheds wichtige theoretische Schriften und Zeitschriften sowie Schemellis Musicalisches Gesang-Buch (1736). Der von Johann Gottlob Immanuel Breitkopf 1755 entwickelte Notentypendruck mit beweglichen Lettern revolutionierte die bisherige Notendrucktechnik und legte damit den Grundstein für den Musikverlag. So setzte der Verlag Maßstäbe mit der ersten wissenschaftlichen Gesamtausgabe der Werke von Johann Sebastian Bach sowie den Gesamtausgaben u.a. von J. Haydn, W.A. Mozart, L.v. Beethoven, F. Schubert, R. Schumann, J. Brahms, F. Mendelssohn Bartholdy (1997), J. Sibelius (1998) und H. Eisler (2002). Mit der 1798 gegründeten „Allgemeinen musikalischen Zeitung" prägte der Verlag den Kanon der Wiener Klassik. Als einer der ersten Klavierbauer in Leipzig produzierte das Unternehmen  von 1806–1872 Instrumente, von denen u.a. Clara Schumann, Felix Mendelssohn Bartholdy und Franz Liszt schwärmten.

Zu seiner Blütezeit Anfang des 20. Jahrhunderts waren knapp 1000 Mitarbeiter bei Breitkopf & Härtel angestellt. Das neue Verlagshaus in der Nürnbergerstraße verfügte über einen der weltweit größten und modernsten Buchdruck-Maschinenesaal der Welt (1880 m2).  Auch in den Niederlassungen in Brüssel, London und New York florierte das Geschäft.

Bei wikipedia ist der Vorwurf laut geworden, der Verlag blende in seiner historischen Rückschau die Zeit des Nationalsozialismus aus.

 

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