Das Baltic Sea Philharmonic und Kristjan Järvi begeistern das Publikum beim Usedomer Musikfestival 2020 im historischen Kraftwerk Peenemünde. Foto: Peter Adamik
Das Baltic Sea Philharmonic und Kristjan Järvi begeistern das Publikum beim Usedomer Musikfestival 2020 im historischen Kraftwerk Peenemünde. Foto: Peter Adamik

Blick vor und zurück

Kristjan Järvi und das Baltic Sea Philharmonic zwischen „Musical Chain" und „Midnight Sun".

Nach einem Jahr unvorhergesehener Pausen von Live-Auftritten gehen das Baltic Sea Philharmonic und Kristjan Järvi mit einer neu erarbeiteten, unverwechselbaren digitalen Präsenz ins Jahr 2021, die angesichts der pandemischen Herausforderungen eine neue Dimension angenommen hat. Das innovative Online-Projekt „Musical Chain" des Orchesters, das im Sommer 2020 startete, stärkte nicht nur die Bande zwischen den Musikern, die nicht gemeinsam reisen und spielen konnten. Es war auch ein kreatives Ventil, um gemeinsam mit einem professionellen Produktionsteam originelle Musikvideos zu produzieren und den Ruf des Baltic Sea Philharmonic als Grenzen überschreitendes Ensemble stärkten. Obwohl das Orchester im September 2020 sicher und erfolgreich auf Tournee gehen konnte und seine Rückkehr auf die Bühne im Jahr 2021 sorgfältig plant, ist „Musical Chain" ein wichtiger Teil der Identität geworden, der sich 2021 weiterentwickelt und neue Inspirationen erfährt.

Das Jahr 2020 im Rückblick – Innovation und Erfolg angesichts beispielloser Widrigkeiten

Bevor die COVID-19-Pandemie den Tourneeplan des Baltic Sea Philharmonic und Kristjan Järvis für einen Großteil des Jahres 2020 durcheinanderbrachte, starteten sie im Januar auf spektakuläre Weise mit einem Benefizkonzert in der Hamburger Elbphilharmonie mit der Popband Bastille. Das Orchester und die britische Indie-Band traten am 4. Januar gemeinsam als Headliner für Channel Aid auf, das den Auftritt auf seinem YouTube-Charity-Kanal per Livestream übertrug. Das restlos ausverkaufte Konzert – die erste Zusammenarbeit des Baltic Sea Philharmonic mit einer weltweit erfolgreichen Popband – wurde zudem von über 10.000 Menschen als Livestream auf YouTube verfolgt.

Als wegen der Pandemie eine Sonderaufführung von Schostakowitschs Sinfonie Nr. 7 zum 75. Jahrestag des Endes des Zweiten Weltkriegs in Europa abgesagt werden musste, kamen die Musiker des Baltic Sea Philharmonic stattdessen virtuell zusammen, um einen 20-minütigen Ausschnitt aus dem ersten Satz des Werkes aufzunehmen. Insgesamt 108 Musiker machten zu Hause ihre eigenen Aufnahmen, die dann zu einer virtuellen Orchesteraufführung zusammengeführt wurden, die am 8. Mai ihre Online-Premiere hatte.

Mit ihrer nächsten digitalen Initiative, „Musical Chain", haben Kristjan Järvi und das Baltic Sea Philharmonic dem Konzept eines virtuellen Orchesters eine völlig neue Richtung gegeben, indem sie Musiker des Orchesters mit anderen Künstlern und Kreativen zusammenbrachten. „Musical Chain", das im Juli 2020 startete und 2021 mit weiteren Kollaborationen und speziellen Gastkünstlern fortgesetzt wird, zeigt, wie sich das Baltic Sea Philharmonic immer mehr zu einer Band entwickelt, bei der Järvi sowohl Produzent als auch Dirigent ist. Das Projekt hat bisher vier auffallend originelle Musik-Remix-Videos hervorgebracht, die klassische Meisterwerke neu interpretieren: „Midnight Mood", basierend auf Griegs „Morgenstimmung" aus seiner ersten Peer Gynt-Suite; „Beethoven's Twilight", inspiriert von Beethovens fünfter Sinfonie; „Ascending Swans", basierend auf Sibelius' „Lobgesang" aus seiner „Schwanenweiß"-Suite; und „Nutty Christmas", eine unterhaltsame, weihnachtliche Interpretation von Tschaikowskys „Der Nussknacker". Für jedes Video nahmen die Musiker des Baltic Sea Philharmonic zu Hause Tonspuren auf und filmten sich draußen in stimmungsvollen Landschaften. Kristjan Järvi produzierte den Sound basierend auf den Einspielungen der Musiker und ein professionelles Videoproduktionsteam bearbeitete die endgültigen Videos, die auf den Social-Media-Kanälen des Orchesters veröffentlicht wurden. „Musical Chain" erhielt eine breite Medienberichterstattung: Nicht nur der Norddeutsche Rundfunk (NDR) und internationale Blogs berichteten über das innovative Projekt, auch der Dreiländer-Fernsehsender 3SAT sendete am Veröffentlichungstag „Nutty Christmas" als Weihnachtsgruß für alle Zuschauer nach Deutschland, Österreich und in die Schweiz.

Im September 2020 konnte das Baltic Sea Philharmonic mit einer verkürzten „Nordic Pulse"-Tournee durch Italien und Deutschland auf die Bühne zurückkehren. Als kleineres Ensemble von 39 Musikern gab das Orchester ausverkaufte Konzerte bei den Meraner Musikwochen und beim Usedomer Musikfestival vor insgesamt 1.300 Konzertbesuchern. Das Programm nahm das Publikum mit auf eine mitreißende musikalische Reise durch den Ostseeraum, wobei Komponisten aus der ganzen Region vertreten waren, darunter Beethoven, Tschaikowsky, Stenhammar, Nielsen, Gediminas Gelgotas und Kristjan Järvi. Die Musiker spielten das gesamte über 70-minütige Programm auswendig, wobei Mitglieder des Ensembles in mehreren Stücken die Solistenrollen übernahmen.

Abseits der Bühne veröffentlichte Sony Classical im Jahr 2020 zwei Aufnahmen des Baltic Sea Philharmonic und Kristjan Järvis. Das im Mai veröffentlichte Album zeigt das Orchester und den Schweizer Geiger David Nebel in Strawinskys Violinkonzert und wurde für die ICMA Classical Music Awards 2021 in der Kategorie Konzerte nominiert. Das im November veröffentlichte Album Sleeping Beauty ist eine innovative Bearbeitung von Tschaikowskys berühmtem Ballett als dramatische Sinfonie durch Kristjan Järvi. Die Aufnahme wurde von Medien in Deutschland, Österreich, der Schweiz, Schweden, Großbritannien, Russland, Estland, Lettland und Litauen enthusiastisch bejubelt. Ein Rezensent der schwedischen Zeitung Dagens Nyheter schrieb: „Es ist eine Freude, Kristjan Järvis und des Baltic Sea Philharmonic's Konzentrat von Tschaikowskys Ballett ‚Dornröschen' zu hören". Und die Westdeutsche Allgemeine Zeitung schwärmt: „Er nennt sein ‚Dornröschen' eine ‚dramatische Sinfonie', und tatsächlich ist das Ergebnis packend, berauschend, schillernd schön. Mit seinem hoch motivierten Baltic Sea Philharmonic gibt Järvi dem Orchester die Rolle eines Erzählers." Das Baltic Sea Philharmonic und David Nebel sind zudem auf Kristjan Järvis Album Nordic Escapes zu hören, das im August bei Modern Recordings (BMG) erschienen ist. Järvi dirigiert hierin den Geiger und das Orchester in seinem dynamischen und erhebenden Stück Aurora. 

Ausblick auf das Jahr 2021 

Das Baltic Sea Philharmonic und Kristjan Järvi hoffen, im März 2021 mit einer „Midnight Sun"-Tournee durch Polen und Deutschland auf die Bühne zurückzukehren. Bis auf Weiteres plant das Orchester die „Midnight Sun"-Konzerte in Stettin am 12. März, Hamburg am 14. März und Berlin am 15. März unter ständiger Beobachtung der COVID-19-Situation und in kontinuierlichem Austausch mit den Konzertveranstaltern. Das charakteristisch eklektische Programm von „Midnight Sun" umfasst Musik von Grieg, Tschaikowsky und Robot Koch sowie neue Musik und Arrangements von Kristjan Järvi. Abhängig vom Fortschreiten der Pandemie und den Auswirkungen der damit verbundenen Einschränkungen wird das Baltic Sea Philharmonic später im Jahr 2021 sein Debüt in Rumänien geben, mit Konzerten am 30. und 31. August beim Enescu Festival in Bukarest. Dort wird es mit der Pianistin Maria João Pires und der Geigerin Viktoria Mullova in zwei kontrastreichen Programmen zusammenarbeiten, von denen das eine Musik von Mozart und Enescu und das andere Werke von Arvo Pärt und Tschaikowsky beinhaltet. Ebenfalls auf dem Kalender des Orchesters für 2021 steht ein Auftritt beim Usedomer Musikfestival im September, als Teil seiner „Nordic Swans"-Tournee mit Musik von Arvo Pärt, Tschaikowsky und Sibelius.

 

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