Belcea Quartet | Janáček & Ligeti: Streichquartetten

Belcea Quartet | Janáček & Ligeti: Streichquartetten

Kaum ein anderer Komponist hat die emotionale Botschaft und die Hitze des Ausdrucks in der Kammermusik so kompromisslos ins Zentrum gerückt wie Leoš Janáček in seinen beiden Streichquartetten. Und kaum ein anderes Ensemble hat diese Dringlichkeit so packend und zugleich so präzise in die Saiten gebürstet wie das gewohnt großartige Belcea Quartet.


Im ersten Quartett, der „Kreutzersonate“ – inspiriertt von der gleichnamigen Tolstoi-Novelle – sind die eruptive Wucht und der Schmerz des Eifersuchtsdramas geradezu physisch zu spüren: wenn das Belcea Quartet die Ansätze zarter Liebesklänge im dritten Satz mit beißenden Sul-Ponticello-Sounds nicht bloß unterbricht, sondern förmlich zerfetzt. Die Musik scheint hier stellenweise außer sich zu geraten, wie es der Notentext verlangt, und trotzdem hört man die rhythmischen Konflikte und harmonischen Reibungen unglaublich transparent und gestochen klar.
Dieses Miteinander von Leidenschaft und Präzision prägt auch das zweite Quartett, die „Intimen Briefe“, deren lodernde Intensität Janáčeks Gefühle für seine fast 40 Jahre jüngere Geliebte und Muse Kamila Stösslova ahnen lässt. Melodien von betörender Süße treffen auf eine glühende Sinnlichkeit, die sich in wilden Kontrasten und Ausbrüchen, aber auch einem bisweilen atemlosen Vorandrängen entlädt. Die Belceas entfalten hier eine unbändige Kraft.
György Ligetis erstes Quartett ist aus einer anderen Haltung komponiert und gewinnt seinen Reiz eher aus dem geistreichen Bezug zur Tradition, treibt die Streicher aber in ähnliche Extremsituationen. Auch dort fesselt das Belcea Quartet mit seinem grenzenlosen Farb-
reichtum, seiner technischen Meisterschaft und Virtuosität und setzt, wie gewohnt, Maßstäbe des Quartettspiels.

Marcus Stäbler

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Janácek: Streichquartett Nr. 1 und 2; Ligeti: Streichquartett Nr. 1; Belcea Quartet (2018); Alpha

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