Bamberger Symphoniker | N. Tcherepnin: Narcisse et Echo

Bamberger Symphoniker | N. Tcherepnin: Narcisse et Echo

Nikolai Tscherepnin war für einige Jahre der Hauskomponist von Serge Diaghilews „Ballets Russes“, bevor ihn Igor Strawinsky ablöste. Tscherepnin blieb der Truppe aber als Dirigent verbunden und stand dem Genre des Balletts auch nach seiner Emigration nach Frankreich weiterhin nahe.


Heutzutage ist eher die Musik eines Sohnes Alexander bekannt, während Nikolai, wenn er denn überhaupt erwähnt wird, als Traditionalist gilt. Von diesem Klischeebild könnte Tscherepnin aber nicht weiter entfernt sein als in seiner für Diaghilew geschriebenen Ballettmusik „Narcisse et Echo“. 1911 vollendet, steht das Werk in der Behandlung von Harmonik und Klangfarbe absolut auf der Höhe der Zeit.
Tscherepnin entwirft in der Partitur, getreu der aus Ovids „Metamorphosen“ entnommenen Handlung um den in sein Spiegelbild verliebten Narziss und die unglücklich in ihn verliebte Nymphe Echo, die musikalische Vision eines geträumten Arkadien – ähnlich wie Ravel in „Daphnis et Chloé“. Sicherlich finden sich einige Elemente des französischen Impressionismus in dieser Musik – seine Freunde redeten den Komponisten spöttisch mit „Debussy Ravelowitsch“ an –, doch in der Schilderung einer geheimnisvollen, unberührten Natur geht Tscherepnin völlig eigene, faszinierende Wege. Das klingt eher wie moderne Ambient-Musik als nach Spätromantik. Die ungeheure Bildhaftigkeit und Sinnlichkeit von Tscherepnins Tonsprache lässt denn auch vergessen, dass das Element des Melodischen in „Narcisse et Echo“ eher unterbelichtet erscheint. Die Bamberger Symphoniker unter Lukasz Borowicz fühlen sich hörbar wohl in der funkelnden Farbenpracht dieser Partitur. Hoffentlich bleibt dies nicht die letzte Tscherepnin-Einspielung aus dieser Quelle.

Thomas Schulz

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Nikolai Tscherepnin: Narcisse et Echo, La Princesse Lointaine; Bamberger Symphoniker, Lukasz Borowicz (2018); cpo

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