Mithatcan Öcal. Bild: Amelie Kahn-Ackermann
Mithatcan Öcal. Bild: Amelie Kahn-Ackermann

Auszeichnungen für SJ Hanke und Mithatcan Öcal

Der mit 20.000 Euro dotierte Hindemith-Preis zeichnet im Rahmen des Schleswig-Holstein Musik Festival herausragende zeitgenössische Komponisten aus.

Träger des 32. Hindemith-Preises ist Mithatcan Öcal. Der 28-jährige Komponist überzeugte die Jury mit besonderer musikalischer Tiefe und Reife: »Mithatcan Öcal zeigt in seinen Werken eine beeindruckende klangliche Vielschichtigkeit. Durch die feine Nuanciertheit in der Instrumentation, die harmonische Gestaltung und den besonderen musikalischen Ausdruck berührt er sein Publikum auf unmittelbare Art und Weise«, begründet Dr. Christian Kuhnt, Intendant des Schleswig-Holstein Musik Festival, die Entscheidung.

Öcal selbst unterstreicht die Relevanz einer solch hochdotierten Ehrung: »Das Komponieren zeitgenössischer Musik erfordert viel Recherche und Kreativität. Awards wie der Hindemith-Preis geben einem Raum dafür, denn sie sichern den Lebensunterhalt. Ich freue mich sehr über diese Auszeichnung und darüber, gemeinsam mit Paul Hindemith genannt zu werden. Wenngleich ich mir eine Welt wünsche, in der es nicht nötig ist, Preise zu vergeben, um seiner Arbeit intensiv nachgehen zu können.«

Neben Mithatcan Öcal wird am 23. August auch SJ Hanke, Träger des 31. Hindemith-Preises aus vergangenem Jahr, im Rahmen des Preisträgerkonzerts ausgezeichnet. »SJ Hanke versteht es, in seinem Schaffen unterschiedliche kompositorische Stile und Konzepte miteinander auf frische Art zu verschmelzen. Dieser Ansatz erlaubt ihm eine klangsinnliche, nicht selten dramatische musikalische Sprache. Durch die Verdichtung und Überlagerung tonaler und rhythmischer Strukturen lässt er in seinen Werken jedoch ebenso Raum für Humor und Ironie«, lautete die Jurybegründung für ihn. Die Ehrung des 36-Jährigen fiel im vergangenen Jahr Corona-bedingt aus.

Übergeben werden beide Auszeichnungen von Schleswig-Holsteins Kultusministerin Karin Prien. Auf dem Programm des Konzerts stehen Werke von Mithatcan Öcal, die Uraufführung eines Auftragswerks für das SHMF von SJ Hanke sowie Musik von Paul Hindemith.

Paul Hindemith setzte sich für den musikalischen Nachwuchs ein und war insbesondere bekannt für sein musikpädagogisches Wirken. In seinem Sinne fördert der Hindemith-Preis herausragende junge, zeitgenössische Komponisten. Seit 1990 wird der Preis im Rahmen des Schleswig-Holstein Musik Festival verliehen. Gestiftet wird er von der Hindemith-Stiftung (Blonay/Schweiz), der Rudolf und Erika Koch-Stiftung, der Walther und Käthe Busche-Stiftung und Gerhard Trede-Stiftung, der Freien und Hansestadt Hamburg und dem Land Schleswig-Holstein. Zu den Preisträgern der letzten Jahre zählen Matthias Pintscher (2000), Thomas Adès (2001), Jörg Widmann (2002), Lera Auerbach (2005), Anna Clyne (2016), Samy Moussa (2017) und Aigerim Seilova (2019).

Die Jury besteht aus Prof. Dr. Andreas Eckhardt (Fondation Hindemith), der Kultusministerin von Schleswig-Holstein Karin Prien, Dr. Christian Kuhnt (SHMF), Prof. Elmar Lampson (Gerhard Trede Stiftung und HfMT Hamburg), Dr. Astrid Bernicke (Behörde für Kultur und Medien Hamburg), Prof. Rico Gubler (Musikhochschule Lübeck) und Prof. Dr. Dr. h. c. Hermann Rauhe (Ehrenbotschafter des Schleswig-Holstein Musik Festival).

Mithatcan Öcal wurde 1992 in Hatay, Iskenderun geboren und studierte Violine sowie Komposition in Izmit und Istanbul. Unterstützung und Anerkennung für seine Arbeit erfuhr er durch Stipendien und Preise u. a. der Gaudeamus Muziekweek (2012), der Académie Voix nouvelles Royaumont (2013), der Akademie Schloss Solitude (2015) und der Akademie der Künste Berlin (2018). Zahlreiche seiner Werke wurden von führenden Klangkörpern wie dem WDR Sinfonieorchester, dem Deutschen Symphonie-Orchester Berlin oder dem Münchener Kammerorchester uraufgeführt. Mithatcan Öcal ist Gründungsmitglied des Istanbuler Komponistenkollektivs und lebt als freischaffender Komponist, Musiker und Improviser in Istanbul.

SJ Hanke, geboren 1984 in Regensburg, studierte Komposition bei Manfred Trojahn und Heinz Winbeck. Er war Stipendiat der Cité Internationale des Arts Paris und der Deutschen Akademie Rom Villa Massimo. Neben zahlreichen Werken für Orchester und Kammermusikbesetzungen, bilden Bühnenwerke einen weiteren Schwerpunkt. Nach zwei Kammeropern und zwei Kinderopern, die regelmäßig auf dem Spielplan diverser Theater stehen, darunter Semperoper Dresden, Staatstheater Darmstadt, Theater Basel und Oper Köln, entstanden 2018/19 im Auftrag der Staatsoper Hannover das Ballett »grotesque & arabesque« nach Motiven von Edgar Allan Poe (Choreographie von Jörg Mannes), sowie das Orchesterwerk »ropes and knots« für das Philharmonische Orchester Kiel. Weitere Auftraggeber und Interpreten waren unter anderem der Deutsche Musikrat, die Deutsche Oper Berlin, die Philharmonie Köln, das Haydn Orchester Bozen, die European Concert Hall Organisation (ECHO), das Münchner Rundfunkorchester, das Asasello Quartett, die Sopranistin Elsa Dreisig und das Ensemble Modern.

Zur Übersicht

FonoForum-Newsletter

Mehr frische Infos und Angebote finden Sie im FonoForum-Newsletter.

Jetzt registrieren