Cristian Măcelaru. Foto: WDR/Joern Neumann
Cristian Măcelaru. Foto: WDR/Joern Neumann

Auftakte in Köln

Die beiden großen Kölner Orchester eröffneten die Konzertsaison in der Philharmonie.

Nach den klangasketischen Jahren unter Jukka Pekka Saraste war die Spannung groß, wie das WDR Sinfonieorchester unter Leitung seines neuen Chefdirigenten Cristian Măcelaru nach der Sommerpause aufspielen würde. Der erste Klangeindruck war positiv, die Streicher durften es schwingen lassen. Wenn der Holzbläserblock mehr dynamische Disziplin bekommt und die Hörner bessere Tage haben, kann es etwas werden. Vor der Pause gab es das Hauptwerk des Abends, Mahlers Vierte. Cristian Măcelaru ließ sich viel Zeit für die Zelebration, wahrte bei aller Detailschau aber auch die Spannungsbögen. Sopranistin Simona Šaturová hatte im Sopransolo keine Probleme mit den Konsonanten: Sie ließ sie einfach weg. Nach der Pause gab es Widmanns kurzen Tanz auf dem Vulkan und Dvoraks etwa 20-minütiges Te Deum. Neben Šaturová legten sich Bassbariton Michael Nagy sowie die Chöre von WDR und BR mächtig ins Zeug für ein Stück, das keine Sehnsucht nach einem Wiederhören weckte.

Gürzenich-Orchester

Francois-Xavier Roth ist mittlerweile im fünften Jahr Chef des traditionsreichen Kölner Gürzenich-Orchesters. Zur Saisoneröffnung machte er Werbung für die nun von acht auf 15 Plätze erweiterte Orchester-Akademie, die jungen Instrumentalisten die Chance bietet, am Proben-, Konzert- und Tourneebetrieb teilzunehmen. Acht von ihnen spielten zum Start in die neue Abo-Saison das kurze Oktett Octandre von Varèse. Der weitere Fortgang des Programms gehörte zwei Schwergewichten des Repertoires: Tod und Verklärung von Richard Strauss und Symphonie fantastique von Berlioz, dem das Gürzenich-Orchester einen Schwerpunkt widmet.

So gefällig beide Werke sind, sie verlangen vom Dirigenten aufgrund ihrer offenen Strukturen die Fähigkeit, über Klangfarben, Kontraste und Ausbrüche die große Linie nicht zu verlassen. Für Roth und sein Orchester war das offenkundig kein Problem. Für Verdickungen war auch bei Strauss kein Platz in dieser Interpretation. Großer Jubel belohnte die packende Wiedergabe der Symphonie fantastique, die bei aller unmittelbaren Emotionalität bei Roth nie plump wurde. J. Schmitz

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