Alexej Gerassimez. Bild: Nikolaj Lund
Alexej Gerassimez. Bild: Nikolaj Lund

Auf die Pauke hauen mit den Brandenburgern

Beethoven Neun mit neuer Zwischenmusik und weitere spannende Konzerte gibt es in Frankfurt/Oder.

Zwei Uraufführungen, Musik des Oscarpreisträgers Tan Dun und Schlagzeugkonzerte mit dem Percussion-Star Alexej Gerassimez zählen zu den Höhepunkten der Spielzeit 2020/21 des Brandenburgischen Staatsorchesters Frankfurt (BSOF). In der neuen Saison wird Gerassimez „Artist in Residence“ des Staatsorchesters sein. Das Repertoire, das er dabei mit dem einzigen A-Orchester Brandenburgs und Gastmusikern spielt, reicht von AC/DC und Pink Floyd über Jazz bis zu sinfonischer Musik und eigenen Kompositionen.

Nicht nur mit diesem „Artist in Residence“ möchte das Brandenburgische Staatsorchester seinem Publikum neue Klangräume eröffnen. So spielt es in der kommenden Saison Tan Duns „Tears of Nature“ und Chen Gangs und He Zhanhaos Violinkonzert „Butterfly Lovers“, dessen Solopart der Tschaikowsky-Preisträger Yu-Chien Tseng interpretiert. Zudem wird sich das BSOF in der kommenden Spielzeit Jazzmusik und New-York-Klassikern von Duke Ellington, George Gershwin und Leonard Bernstein widmen und dabei mit dem sehr erfolgreichen Max Doehlemann Jazztrio zusammenarbeiten. Es widmet sich aber auch solchen großen sinfonischen Werken wie Smetanas „Mein Vaterland“ und Carl Orffs „Carmina Burana“.

Mit außergewöhnlichen Projekten feiert das von GMD Jörg-Peter Weigle und Roland Ott geleitete Orchester Beethovens 250. Geburtstag. Zum einen möchte das BSOF eine Rekonstruktion jenes vierstündigen Akademie-Konzertes präsentieren, das Beethoven im Jahre 1808 in Wien uraufgeführt hatte. Zum anderen spielt das Brandenburgische Staatsorchester die 9. Sinfonie, wie sie bisher noch nie zu hören war: mit eingewobenen Neukompositionen des Leipziger Komponisten Steffen Schleiermacher. Dessen Ode an die Ode von Beethoven/Schiller sollte eigentlich zum Auftakt der Saison im September erklingen. Coronabedingt muss dieses Konzert sehr wahrscheinlich verschoben werden. Anvisiert ist, die Uraufführung zum Jahresausklang im Dezember 2020 zu realisieren.

Jörg-Peter Weigle erklärte, dass der Start der neuen Saison mit vielen Fragezeichen versehen und abhängig davon sei, welche Abstandsregeln für Orchestermusiker und Publikum im Herbst noch einzuhalten seien. Zurzeit plant die Orchesterleitung verschiedene Optionen, um zu Beginn der Saison flexibel reagieren zu können.

Der Intendant hob ferner die ambitionierte Gastspieltätigkeit des Orchesters hervor. In Potsdam und Berlin – in der Philharmonie, im Konzerthaus und bei der Reihe „Bruckner im Berliner Dom“ – sei es in der neuen Saison ebenso präsent wie in der Kölner Philharmonie und bei den Festspielen in Bayreuth (als Orchester der Kinderoper), Mecklenburg-Vorpommern, Rheinsberg und Chorin. Darüber hinaus bleibe die Verbindung zu polnischen Orchestern und Konzerthäusern „Teil der DNA des Brandenburgischen Staatsorchesters“.

Roland Ott betonte ferner, wie wichtig die Sponsoren EWE und Sparkasse Oder-Spree für die Arbeit des BSOF seien. Denn dank deren finanzieller Unterstützung könne das Brandenburgische Staatsorchester seine Schulkonzerte im ländlichen Raum und seine Education-Arbeit fortsetzen. Medienprojekte des BSOF würden zudem von der Schweizer Minerva-Stiftung gefördert. In der kommenden Spielzeit ist wieder ein großes Education-Projekt geplant. Diesmal werden sich deutsche und polnische Schülerinnen und Schüler mit Bachs Matthäus-Passion auseinandersetzen. Die musikalische Leitung liegt dabei in den Händen von Howard Griffiths, der von 2008 bis 2018 Chefdirigent des BSOF war.

Mit dem Brandenburgischen Staatsorchester und der Schauspielerin Martina Gedeck wird Griffiths in der kommenden Spielzeit sein inzwischen viertes Musikmärchen in Frankfurt (Oder) uraufführen. Die bisherigen, deren Musik ebenfalls vom BSOF eingespielt wurden, waren national und international sehr erfolgreich. Die Buchausgaben mit CD sind in mehreren Sprachen erschienen.

Eine Neuerung erwartet das Publikum bei der Abo-Reihe „Wiener Klassik“. Sie wird um moderne Klassiker erweitert und unter dem Label „Klassik am Sonntag“ weitergeführt. Wie bei dieser Abo-Reihe bleiben auch die Preise der Abonnements der Philharmonischen Konzerte in der neuen Spielzeit unverändert.

Dazu baut das BSOF den Service für sein Publikum weiter aus. Dazu gehören Shuttle-Busse, die Besucher aus dem Umland stressfrei und komfortabel zu den Konzerten nach Frankfurt (Oder) bringen.

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