Das Württembergische Kammerorchester mit Dirigent Case Scaglione. Bild: Nikolaj Lund
Das Württembergische Kammerorchester mit Dirigent Case Scaglione. Bild: Nikolaj Lund

Antworten auf die Frage: Wen erreichen wir?

Eine Studie belegt erstmals die Wirkung von Vermittlungsarbeit bei professionellen Orchestern in Baden-Württemberg.

Wen erreichen professionelle Orchester in Baden-Württemberg mit ihren Vermittlungsangeboten? Dieser Frage widmete sich eine Studie am Beispiel der Württembergischen Philharmonie Reutlingen, dem Philharmonischen Orchester Heidelberg sowie des Württembergischen Kammerorchesters Heilbronn. Angesiedelt am Institut für Kulturmanagement der Pädagogischen Hochschule Ludwigsburg wurde das Forschungsprojekt unterstützt vom Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden Württemberg, der Gesellschaft zur Verwertung von Leistungsschutzrechten, der Deutschen Orchester-Stiftung und dem Deutschen Bühnenverein.

Anhand der Ergebnisse lässt sich über alle drei Orchester hinweg feststellen, dass mehr als zwei Drittel der Befragten bereits Vermittlungsangebote der beteiligten Orchester genutzt haben und mit den bereits genutzten Vermittlungsangeboten mehrheitlich zufrieden oder sehr zufrieden waren. In Bezug auf Gestaltung künftiger Angebote wünschen sich die Beteiligten unter anderem mehr Einblick in die Organisation des Orchesters sowie mehr digitale Angebote wie z.B. das Programmheft als App.

Die Ziele von Vermittlungsangeboten im Orchesterkontext sind vielfältig – vor allem aber soll durch ihren Einsatz ein möglichst heterogenes Publikum angesprochen, an die Sparte Orchester herangeführt und für eine lebenslange Nutzung klassischer Musikangebote begeistert werden. Um dies zu erreichen, sind fundierte Kenntnisse über die Besucher*innen essentiell. Deshalb wurden neben der Nutzung von Vermittlungsangeboten auch demografische Daten abgefragt.

Hierzu Studienleiterin Prof. Dr. Andrea Hausmann: "Wir am Institut für Kulturmanagement fanden besonders bemerkenswert, dass große Teile des Publikums eine musikalische Vorbildung haben - das zeigt einmal mehr, wie wichtig schulische und außerschulische Bildungsangebote im Musikbereich für die nachhaltige Gewinnung, Bindung und Entwicklung des Publikums sind. Zudem machen die Ergebnisse die Komplexität der Konzeption erfolgreicher Vermittlungsangebote mehr als deutlich: Hierbei müssen zu vermittelnde, inhaltliche Aspekte mit Faktoren wie Unterhaltsamkeit, Lerneffekt und Atmosphäre in Einklang gebracht werden. Wir sind gespannt darauf, welche Strategien und Maßnahmen Orchester in Baden-Württemberg, aber auch ganz Deutschland, künftig umsetzen werden, um ihre Vermittlungsaktivitäten nachhaltig weiterzuentwickeln.“

Dass Musikvermittlungsarbeit letztlich auch der Publikumsgewinnung dient, macht Staatssekretärin Petra Olschowski deutlich: „Ich freue mich, dass die Orchesterlandschaft in Baden-Württemberg mit der Veröffentlichung des Forschungsberichts „Wen erreichen wir?“ am Beispiel der drei beteiligten Orchester in Heidelberg, Heilbronn und Reutlingen um wichtige Erkenntnisse und Empfehlungen im Audience Development bereichert wird. Besucherforschung ist angesichts der allgegenwärtigen gesellschaftlichen Veränderungen, insbesondere bedingt durch die demografische Entwicklung, die Digitalisierung und die Globalisierung, von großer Bedeutung. Die Vermittlungsprogramme der Orchester haben mit dem Format von Kinder- und Jugendkonzerten eine Jahrzehnte lange Tradition. Seit Jahren werden zunehmend vielfältige Musikvermittlungsprogramme aufgelegt. Erfreulich ist, dass die Zufriedenheit mit den bestehenden Angeboten hoch ist - allerdings bei einem vergleichsweise homogenen Publikum. Um neue Zielgruppen anzuziehen, müssen die bestehenden Aktivitäten stets auf ihre aktuelle Relevanz überprüft werden. Zu dieser Erkenntnis kommt auch der Forschungsbericht, der hoffentlich eine breite Resonanz erfahren wird.“

Andreas Bausdorf, Geschäftsführer der Deutschen Orchesterstiftung, äußerte sich wie folgt: „Mit der heute vorgestellten Studie zu den Musikvermittlungsangeboten liegen nun detaillierte Ergebnisse zu deren Nutzung vor. Dabei fällt auf, dass sich die vorhandenen klassischen Vermittlungsangebote großer Beliebtheit erfreuen, das Publikum aber gleichzeitig an digitalen Angeboten interessiert ist. Die Deutsche Orchester-Stiftung möchte mit dieser Studie den Orchestern eine Orientierung bei der Weiterentwicklung der Vermittlungsangebote ermöglichen und damit einen Beitrag zur Stärkung der Orchesterkultur in Deutschland leisten“.

Cornelius Grube, Intendant der Württembergischen Philharmonie Reutlingen und Vorsitzender des Orchester-Ausschusses beim Deutschen Bühnenverein, zeigte sich sehr erfreut, dass die Orchester nun mithilfe dieser Studie Strategien für passende Vermittlungsangebote entwickeln können. „Orchester dienen ja nicht nur dem Freizeitangebot, sondern sind immer mehr auch Bildungseinrichtungen. Deshalb ist das Wissen darüber, welche Musikvermittlungsangebote für unsere Besucher*innen interessant sind, immens wichtig, um neue, vor allem auch digitale, Formate zu entwickeln, die genau den Erwartungshaltungen unserer Besucher*innen entsprechen.“

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