Haus der Musik im Fruchtkasten. Bild: Landesmuseum Württemberg/Christoph Düpper
Haus der Musik im Fruchtkasten. Bild: Landesmuseum Württemberg/Christoph Düpper

Konzerte zwischen historischen Instrumenten

Der Mut zum Neuen in der Alten Musik.

Die Reihe „Alte Musik im Haus der Musik“ mit namhaften Ensembles und ungewöhnlichen Programmen im Stuttgarter Fruchtkasten Capricornus-Ensemble Stuttgart bringt am 1. Oktober  mutige Umbrüche der Monteverdi-Zeit zu Gehör. Unter dem Motto „Mut“ stellt die vierte Saison der Konzertreihe „Alte Musik im Haus der Musik“ von Oktober 2020 bis Juli 2021 epochale Umbrüche und couragierte Persönlichkeiten in den Mittelpunkt. „Mut zum Experiment“, „Mut zum Wunder“ oder „Volles Risiko!“ lauten die Titel der Konzerte im Fruchtkasten am Stuttgarter Schillerplatz. Sie demonstrieren die beginnende Mehrstimmigkeit in der französischen Motette des 13. Jahrhunderts, lassen an den Umwälzungen im England des 17. Jahrhundert teilhaben oder bieten virtuose Kammermusik von Schubert, Wieck und Schumann. Angesichts der aktuellen Herausforderungen möchte das Landesmuseum Württemberg dem Publikum auf musikalischem Weg Mut zusprechen.

Sie zeigten Mut zu tiefgreifenden Veränderungen: Als Claudio Monteverdi (1567-1643) und seine jungen Kollegen um 1600 einen „neuen Stil“ entwickelten, stießen sie auf harsche Kritik. Der bislang führende Musikstil, „prima practica“, der Vokalpolyphonie, gab der Komplexität der Musik vor dem vertonten Wort den Vorrang. Mit der neuen „seconda practica“ machte die junge Generation hingegen das Wort zur Herrin der Musik. Stimmen und Instrumente begannen zu „konzertieren“ – die Grundlagen für die Oper waren gelegt.

Unter der Leitung von Henning Wiegräbe (Posaune) interpretieren Perrine Devillers (Sopran), Peter Barczi und Eva Borghi (Violinen) und Markus Märkl (Orgel) Werke von Claudio Monteverdi, Dario Castello, Giuseppe Scarani und anderen. (Donnerstag, 1.10., 19 Uhr, im Haus der Musik im Fruchtkasten, Schillerplatz 1, 70173 Stuttgart).

Die 2017 ins Leben gerufene Konzertreihe „Alte Musik im Haus der Musik“ spielt einen besonderen Part im Stuttgarter Musikleben. Im einzigartigen Ambiente der Sammlung historischer Musikinstrumente werden monatlich reizvolle Programme geboten, bei denen teils originale Tasteninstrumente zu hören sind. Die Reihe kann auch 2020/21 wieder mit renommierten Ensembles und internationalen Interpreten aufwarten – vom spanischen Ensemble „Tasto Solo“ über „Servir Antico“ bis zum Ensemble „Affinità“. Sie geben Kostproben von wagemutigen Experimenten in der französischen Barockmusik, besingen im mittelalterlichen Marienlob den Mut der Jungfrau, öffnen die Sinne für das Weihnachtswunder und stellen beherzte Frauen wie Christine de Pizan und Jeanne d’Arc vor. Indem sie zeigen, dass musikalische Innovationen immer Mut erforderten, lassen sie das Publikum an der ermutigenden Kraft der Musik teilhaben. Die Reihe wird ergänzt durch drei Konzerte der Reihe „Junge Musiker*innen machen Alte Musik“ mit Studierenden der Staatlichen Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Stuttgart.

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