Alexander Lonquich | Schubert 1828

Alexander Lonquich | Schubert 1828

Im detailliert-analytischen und doch sehr persönlichen Booklet-Text weist Alexander Lonquich auf den inneren Zusammenhang der drei im Todesjahr Schuberts entstandenen Sonaten hin und betont den „erzählerischen Charakter“ der Werke, die sich wie „drei Bände eines einzigen Romans“ darstellen. Diese Wahrnehmung setzt Lonquich überzeugend in seinem Spiel von enigmatischer Schönheit und gemeißelter Größe um.

 

Von der ersten Sonate C-Dur mit ihrer an Beethoven erinnernden, schicksalstrotzenden Expressivität über die zweite in A-Dur mit den schmerzlichen Trauerkantilenen im Andantino bis hin zu den Generalpausen im ersten Satz der letzten Sonate, die von der Spannung einer Todesleere erfüllt sind, gelingt es Lonquich, die drei Werke als geschlossene Einheit darzustellen. Mittels stimmiger Tempi, die eher getragen-reflektierenden Charakter haben, aber nie verschleppt sind, und einer breiten Skala der Dynamik und Klangfarbenabstufung erreicht er eine selten differenzierte Ausleuchtung des Schubert’schen Seelenpano­ramas, ohne in eine einseitige Richtung abzugleiten. Wo etwa Svjatoslav Richter in seiner bedrückend-abgründigen Interpretation der B-Dur-Sonate von 1972 eine konsequent aussichtslose Lesart vorlegte, erscheint Lonquichs Spiel mehrdimensio­naler. Das Werk gleicht hier einem tendenziell zwar melancholischen, aber durch zahllose Licht- und Schattenerfahrungen gesättigten Lebensrückblick.
Das Porträt des Pianisten stellt auf dem Cover eine beziehungsreiche Verbindung zur Musik her: Das Gesicht taucht mit geschlossenen Augen aus dem Dunkel hervor, nur eine Gesichtshälfte wird von einem kräftigen Schlaglicht beleuchtet. Wer sich so, die Assoziation an eine Totenmaske erweckend, fotografieren lässt, zeigt dem Betrachter – auch das Risiko des allzu großen Pathos in Kauf nehmend –, dass es hier um etwas Ernstes, Großes, Existenzielles geht.

Frank Siebert

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Bach: Die Kunst der Fuge; Bob van Asperen, Cembalo (2012); Aeolus (SACD)

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