Akademie für Alte Musik Berlin | Händel: Concerti grossi op. 6 Nr. 1-6

Akademie für Alte Musik Berlin | Händel: Concerti grossi op. 6 Nr. 1-6

Jede Neueinspielung von Händels Concerti grossi op. 6 steht vor dem Problem, dass sie sich einerseits profilieren muss, um angesichts vieler sehr guter Gesamtaufnahmen überhaupt eine Berechtigung zu haben, dass dies andererseits aber nicht auf Kosten der Musik geschehen darf.


Diese Gratwanderung gelingt der Akademie für Alte Musik Berlin: Allenthalben spürt man ihren Ehrgeiz, aber auch ihren Respekt, und das sind gute Voraussetzungen für das Gelingen des Vorhabens. Die Tempi sind erwartungsgemäß allesamt an der oberen Kante, doch nur selten hat man das Gefühl, dass ein paar Umdrehungen weniger auch gereicht hätten (Polonaise von Nr. 3, Menuett von Nr. 6, um nur zwei Beispiele zu nennen). Erfreulich ist in jedem Fall, dass die Tempi nicht gehetzt wirken und dass nicht gebolzt wird.
Dies ist der zweite wichtige Punkt: Die Artikulation der Akamus (so ihr offizielles Kürzel) ist sehr prägnant, hier aber nicht so übertrieben hart wie in manchen anderen ihrer Aufnahmen. Dadurch bringt das Ensemble die Musik zum Sprechen, und es ist kein Geheimnis, dass Händel als Mensch der Oper und des Oratoriums auch in seinem Opus 6 – anders als in dem von seinem Verleger zusammengewürfelten Opus 3 – regelrechte Dramen entwirft. Deren Gehalt wird in einem dritten Aspekt der vorliegenden Interpretation deutlich: dem erhabenen Klang. Mit einer Streicherbesetzung von 5/4/3/2/1 bleibt die Akamus zwar etwas unter der Größe von Händels Londoner Orchestern, aber sie spielt mit einer im positiven Sinne sinfonischen Attitüde, ohne es an kammermusikalischer Genauigkeit missen zu lassen. Dieser kulinarische Aspekt kommt übrigens auf der Surround-Spur der SACD deutlich besser zur Geltung als auf der Stereo-Spur.

Matthias Hengelbrock

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Musik:
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Klang:
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Händel: Concerti grossi op. 6 Nr. 1-6; Akademie für Alte Musik Berlin, Bernhard Forck (2018/19); Pentatone (SACD)

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