Unterwegs im Kosmos Stockhausen: Pierre-Laurent Aimard in Luzern. Foto: Patrick Huerlimann/Lucerne Festival
Unterwegs im Kosmos Stockhausen: Pierre-Laurent Aimard in Luzern. Foto: Patrick Huerlimann/Lucerne Festival

Acht Stockhausen-Konzerte

Mit insgesamt 79.400 Besuchern beim Sommer-Festival vom 17. August bis 16. September zieht das Luzerner Festival auch in diesem Jahr eine äußerst positive Bilanz.

Die 78 Verkaufsveranstaltungen waren zu 89 Prozent mit 65.400 Besuchern ausgelastet, das sind 800 mehr als im Vorjahr, 14 Konzerte waren ausverkauft. Die 32 Sinfoniekonzerte waren zu 90 Prozent besetzt. Darüber hinaus bot Lucerne Festival 37 Gratis-Veranstaltungen an, zu de­nen sich insgesamt 14.000 Interessierte einfanden. Allein der Erlebnistag zum Festivalthema «Kind­heit» lockte 5.200 Musikbegeisterte aller Altersstufen ins KKL Luzern, zu den zehn Terminen der beliebten Gratis-Reihe «40min» kamen insgesamt 4.600 Besucher. Das Festival «In den Straßen» war auch dieses Jahr mit rund 5.200 Besuchern stark frequentiert.

Das 80. Sommer-Festival endet mit einem veranstaltungsreichen Wochenende mit mehreren Familien- und Sinfoniekonzerten, Musiktheater, Kammermusik, Künstlergesprächen und mehr. Am Samstag um 16.30 Uhr dirigiert Omer Meir Wellber das City of Birmingham Symphony Orchestra mit Gidon Kremer als Solist; in Kooperation mit dem Luzerner Theater ist um 19.00 Uhr die Insze­nierung der «Kindertotenlieder» von Gustav Mahler zu sehen und um 21.00 Uhr das Projekt Trommel mit Mann von «composer-in-residence» Fritz Hauser. Den Schlusspunkt des Festivals setzt am Sonntag Cecilia Bartoli mit einer halbszenischen Aufführung von Rossinis Komödie La cenerentola um 17.00 Uhr. Am Mittag ist die Slapstick-Oper Im Amt für Todesangelegenheiten von Klaus von Heydenaber im Luzerner Theater sowie die Erfolgsproduktion HEROÏCA von «artiste étoile» Dan Tanson zu erleben (um 11.00 und 15.00 Uhr).

Das Thema «Kindheit» griff das Festival gleich am Eröffnungswochenende mit dem Orchestercamp auf, das in Kooperation mit Superar Suisse und rund 130 Kindern durchgeführt wurde. Es folgte am 26. August der große Erlebnistag mit einem bunten Programm aus Kammer- und Orchesterkon­zerten für Familien, unter anderem mit Schraffur von «composer-in-residence» Fritz Hauser, einem Familienkonzert mit «artiste étoile» Sol Gabetta und Weltmusik als Teil des Festivals «In den Strassen». Hinzu kam eine «Wunderkind»-Reihe, in der sich unter anderem die 13-jährige Jung-Komponistin Alma Deutscher vorstellte, sowie weitere Konzerte mit jungen Solisten und Jugend­orchestern.

Das Lucerne Festival Orchestra eröffnete im dritten Jahr unter der Leitung seines Chefdirigenten Riccardo Chailly das Festival mit Starpianist Lang Lang und bot zwei weitere sinfonische Pro­gramme mit Musik von Maurice Ravel, Richard Wagner und der Siebten Sinfonie von Anton Bruckner. Die Lucerne Festival Academy setzte einen Schwerpunkt auf Werke von Karlheinz Stockhausen, dem das Festival mit acht Konzerten eine Hommage zum 90. Geburtstag widmete. Peter Eötvös erarbeitete das Orchesterwerk INORI mit den Akademisten, Sir Simon Rattle, Jaehyuck Choi und Duncan Ward präsentierten mit Stockhausens GRUPPEN innerhalb der Academy und in Kooperation mit dem London Symphony Orchestra einen wichtigen Höhepunkt. Peter Eötvös' Werk Reading Malevich kam im Rahmen der «Roche Commissions» mit dem Orchester der Lucerne Festival Academy zur Uraufführung, beim räsonanz Stifterkonzert, einer Kooperation des Festivals mit der Ernst von Siemens Musikstiftung und der musica viva des Bayerischen Rundfunks, erklangen Werke von Beethoven, Kurtág, Schönberg und Holliger.

Sir Simon Rattle war darüber hinaus auch zum ersten Mal als Chefdirigent des London Symphony Orchestra mit drei sinfonischen Programmen zu Gast. Lucerne Festival Young präsentierte Senegalliarde, die neue Produktion von Dan Tanson, sowie das Familienkonzert Domande – Fragen gemeinsam mit dem Teatro Dimitri. Der Schweizer Fritz Hauser gestaltete unter anderem zwei eigene Uraufführungen, Rundum und die Produktion «Chor­trommel». Sol Gabetta war mit drei grossen Cellokonzerten von Martinů, Haydn und Elgar zu erle­ben, mit dem Mahler Chamber Orchestra, den Wiener Philharmonikern und dem London Philhar­monic Orchestra.

Diese und weitere große internationale Sinfonieorchester bildeten auch in diesem Jahr das Zen­trum des Luzerner Sommer-Festivals. Die Berliner Philharmoniker stellten sich zu ihrem 60. Luzer­ner Bühnenjubiläum erstmals mit ihrem künftigen Chefdirigenten Kirill Petrenko vor. Das Chamber Orchestra of Europe gastierte mit Bernard Haitink und Heinz Holliger, die Wiener Philharmoniker mit Franz Welser-Möst und Kian Soltani, dem Preisträger des «Credit Suisse Young Artist Award», sowie das Royal Concertgebouw Orchestra Amsterdam mit Manfred Honeck und Bernard Haitink. Neben Andris Nelsons und dem Boston Symphony Orchestra kehrten das Mahler Chamber Or­chestra mit François-Xavier Roth sowie Daniel Barenboim mit dem West-Eastern Divan Orchestra nach Luzern zurück. Das Rotterdam Philharmonic Orchestra konzertierte unter der Stabführung von Yannick Nézet-Séguin, die Münchner Philharmoniker mit Valery Gergiev und die St. Petersburger Philharmoniker mit Yuri Temirkanov. Zu den Solisten des Sommers zählten unter anderem die Geiger Lisa Batiashvili, Renaud Capuçon, Leonidas Kavakos und Baiba Skride, die Sängerinnen Elsa Dreisig und Magdalena Kožená und die Pianisten Pierre-Laurent Aimard, Yefim Bronfman, Lang Lang, Sergej Redkin, Daniil Trifonov, Yuja Wang und Krystian Zimerman.

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