Ludwigsburger Schlossfestspiele, Stabat Mater Projekt. Foto: Giuseppe Porisini
Ludwigsburger Schlossfestspiele, Stabat Mater Projekt. Foto: Giuseppe Porisini

A Passage to Ludwigsburg

Viel Musik und noch viel mehr: Die Ludwigsburger Schlossfestspiele zeigen, dass Baden-Württemberg nicht nur in technisch-industrieller Hinsicht innovativ ist, sondern auch in der Kunst. Klassisches Konzertdesign trifft auf neue Formen. Und alle sind irgendwie irgendwohin unterwegs.

Die Ludwigsburger Schlossfestspiele vom 29. April bis 23. Juli 2016 widmen sich dem Thema "Passagen – Erzählungen" und betrachten sich dabei als Begegnungsort für Interpreten, die sich aufmachen Neues zu entdecken. In Konzerten des Festspielorchesters, kammermusikalischen Abenden, Produktionen international renommierter Choreografen und musikalischen Grenzgängen zeigen die Künstler ihren eigenen Blick auf bekannte Werke und eröffnen dadurch neue Sichtweisen – dazu gehören unter anderem L’Arpeggiata, BandArt, Judith Holofernes, Menahem Pressler, Anne Teresa de Keersmaeker sowie Chefdirigent Pietari Inkinen und das Orchester der Schlossfestspiele.

Das Thema "Passagen – Erzählungen" spiegelt sich in einer Vielzahl der diesjährigen Veranstaltungen wider. Im Eröffnungskonzert (29.4.) widmet sich das Orchester der Schlossfestspiele unter der Leitung Pietari Inkinens einer der bekanntesten Erzählerinnen der Literatur: Scheherazade. Passend dazu wird der Oud-Spieler Yurdal Tokcan die Saison mit orientalischen Klängen einleiten und Ulrich Raulff, der Direktor des Deutschen Literaturarchivs Marbach, die Eröffnungsrede halten.

In Richard Strauss’ Sinfonischen Dichtungen (12.5.) stehen dann die literarischen Figuren Don Juan und Till Eulenspiegel im Mittelpunkt, während sich die Akademie für Alte Musik (22.7.) dem fantastischen Ritter Don Quichotte zuwendet. Das derzeit bestimmende Thema Flucht kann auch als Passage verstanden werden, die unter anderem in Mozarts Oper Idomeneo (8./9.7.) im Fokus steht. So werden in Michael Köhlmeiers Interpretation von Aeneas oder Die Kunst der Flucht (28.5.) die Routen heutiger Flüchtlinge beinahe bis ins Detail vorgezeichnet. Jordi Savall dagegen zeigt mit seinen Ensembles die Gegensätze und Zusammenhänge von Krieg und Frieden (23.6.).

Zu den Konzerten des Orchesters der Schlossfestspiele unter der Leitung seines Chefdirigenten Pietari Inkinen gehören außerdem das Klassik Open Air & Feuerwerk (16.7.) mit Filmmusik aus den letzten 100 Jahren sowie das Abschlusskonzert (23.7.) mit Daishin Kashimoto. Reinhard Goebel & Sarah Wegener (10.6.) bringen mit Jean-Joseph de Mondonvilles Kantate »Le privilège du Roi« eine musikhistorische Rarität, die Reinhard Goebel wiederentdeckt hat, auf die Bühne. Neben dem Festspielorchester treten außerdem das ORF Radio-Symphonieorchester Wien (30.4.) mit Cameron Carpenter, das Stuttgarter Kammerorchester (30.6.) mit Gautier Capuçon, Il Giardino Armonico (14.7.) mit Isabelle Faust und die Prager Symphoniker (15.7.) mit Alina Pogostkina bei den Ludwigsburger Schlossfestspiele auf.

Mozarts Oper Idomeneo (8./9.7.) handelt von geflohenen und gestrandeten Figuren und ist von tagespolitischer Aktualität. In Kooperation mit Zuflucht Kultur e.V. und einem Ensemble Asylsuchender, geflohener Künstler und junger Solisten – darunter der Tenor Maximilian Schmitt – bringen die Schlossfestspiele diese Oper zur Aufführung; in der Regie von Bernd Schmitt und unter der Musikalischen Leitung von Gordan Nikolic, dem Konzertmeister des London Symphony Orchestra, und seinem Orchester BandArt.

In der siebten Ausgabe der Song Conversation (18./19.6.) begegnen sich erstmals drei deutsche Musiker, bei denen das Texten im Vordergrund steht. Judith Holofernes von Wir sind Helden, trifft auf Robert Gwisdek alias Käptn Peng und Gisbert zu Knyphausen. Nach bewährtem Rezept stehen die drei Künstler zum ersten Mal gemeinsam auf der Bühne und spielen sich abwechselnd eigene und fremde Lieder zu, die für sie lebensbestimmend sind.

Christina Pluhar und ihr Ensemble L’Arpeggiata begeben auf zwei musikalische Expeditionen: Zusammen mit der Sopranistin Céline Scheen, dem Altus Vincenzo Capezzuto und dem korsischen Männergesangsquartett Barbara Furtuna stellen sie in Via Crucis (14.5.) die Mutter Gottes in den Mittelpunkt, bei Orfeo, der Schamane (29.6.) wird mit einem ausgewählten Solisten-Ensemble die Geschichte von Orpheus und Eurydike erzählt. Vittorio Ghielmi lässt in Gipsy Barock (21./22.5.) unterschiedliche musikalische Traditionen aufeinandertreffen und verbindet unter anderem Werke von Georg Philipp Telemann mit osteuropäischer Folklore. Jordi Savall spannt bei Krieg und Frieden (23.6.) einen musikalischen Bogen von Battaglias und Klageliedern zu Jubelhymnen und erzählt mit einem internationalen Ensemble von den Vorwehen des Dreißigjährigen Krieges bis hin zum Frieden von Utrecht.

In Kooperation mit dem Internationalen Trickfilm-Festival Stuttgart realisieren die Schlossfestspiele zum zweiten Mal die Reihe »Music & Animation« mit Kowalski & Penzek im Live-Dialog (30.4./1.5.). Malakoff Kowalski musiziert, während Till Penzek Bilder live zur Musik animiert. Rebekka Bakken & Casal Quartett (1.5.) stellen Arnold Schönbergs »Verklärte Nacht« Blues-Songs und eigene Kompositionen gegenüber, die sie zusammen mit Maximilian Hornung, Hans Theessink und Sylvia Zucker interpretieren. Dieses Konzert wurde in Kooperation mit dem Heidelberger Frühling konzipiert, der in diesem Jahr seine 20. Ausgabe feiert.

Zu den kammermusikalischen Höhepunkten der Saison gehört das Duo-Konzert von Harriet Krijgh & Magda Amara (8.5.) mit Werken für Violoncello und Klavier, Isabelle Fausts (3.6.) Solo-Recital für Violine sowie das Casal Quartett & Maurice Steger (11.6.), die in ihrem Programm »Königin der Nacht« Kompositionen und Arrangements für Blockflöte und Streichquartett in den Fokus stellen. Ganz unterschiedliche Solo-Programme präsentieren die Pianisten Menahem Pressler (22.5.) und Boris Giltburg (12.6.), während Igor Levit& Simon Bode (21.7.) einen ungewöhnlichen Liederabend gestalten, der mit persönlichen Einblicken der beiden Interpreten angereichert ist.

In diesem Festspielsommer werden außerdem vielfältige Choreografien von Anne Teresa De Keersmaeker (Verklärte Nacht, 4.6.), Sidi Larbi Cherkaoui (Fractus V, 17.6.), Martin Schläpfer (Ballett am Rhein, 22.6.) und Mauro Bigonzetti (Stabat mater: The Vivaldi Project, 24.6.) zu sehen sein.

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