David Geringas. Foto: Geert Maciejewksi
David Geringas. Foto: Geert Maciejewksi

1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland

Unter dem Motto „Gemeinsamer Aufbruch" werden in Berlin, Köln, Würzburg und im mecklenburgischen Stavenhagen gefeierte Künstlerpersönlichkeiten erwartet.

Die 3. Internationalen Tage Jüdischer Musik – eine Veranstaltungsreihe des Usedomer Musikfestivals – feiern vom 16. bis 22. November 2020 einen Auftakt zum Festjahr 2021 „1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland". Mit Konzerten hochkarätiger Musiker und Ensembles sowie einer Podiumsdiskussion bringt das Festival jüdischer Musik erstmals bundesweit Synagogen und jüdische Gemeindehäuser zum Klingen, und lädt ein, lebendige jüdische Kultur an Orten jüdischen Lebens in Deutschland zu feiern, zu genießen und gemeinsam kennenzulernen.  Unter dem Motto „Gemeinsamer Aufbruch" werden in Berlin, Köln, Würzburg und im mecklenburgischen Stavenhagen gefeierte Künstlerpersönlichkeiten erwartet, wie die Chansonniere Sandra Kreisler, Tochter des Satirikers, Autors und Komponisten Georg Kreisler, der litauische Cellist David Geringas, der Pianist und Experte für jüdische Musik Jascha Nemtsov, die Sängerin Nitsan Bernstein, der Journalist Dirk Schümer (Die Welt), der Rabbiner Yechiel Brukner und viele mehr. Sie rücken für musikalische Sternstunden jüdische Musik ins Rampenlicht und feiern jüdisches Leben in Deutschland.

"In diesem Jahr werden wir nicht nur urplötzlich mit einem gefährlichen Virus konfrontiert, das unser Leben einschränkt oder sogar bedroht, sondern es ist auch ein Jahr, indem sich das Virus Antisemitismus weiter verbreitet hat, wogegen wir genauso unsere Abwehrkräfte stärken müssen", sagt Dr. Felix Klein, Beauftragter der Bundesregierung für jüdisches Leben und den Kampf gegen Antisemitismus und erinnert an die Bedeutung kultureller Vielfalt: „Umso wichtiger ist es, dass wir nicht nur auf die Bedrohungen des Lebens schauen, sondern uns auch der Vielfalt und der Fülle unseres Lebens bewusst sind. Eine absolute Bereicherung stellt hierbei das jüdische Leben in Deutschland dar und im Besonderen die Musik von und mit Jüdinnen und Juden."

Hervorgegangen sind die Internationalen Tage jüdischer Musik aus den Synagogenrundfahrten des Usedomer Musikfestivals, die den Spuren jüdischen Lebens in Mecklenburg-Vorpommern folgen. Bis zum Jahr 1938 gab es jüdisches Leben auf dem Gebiet des heutigen Landes Mecklenburg-Vorpommern, danach ist es von den Nationalsozialisten weitgehend ausgelöscht worden. Doch in den letzten Jahren wurde nicht nur die Erinnerung daran wieder geweckt, auch manch zerstörte Synagoge ist neu erstanden. Die Internationalen Tage Jüdischer Musik nehmen dieses Band auf und knüpfen es nun zwischen jüdischen Gemeinden in ganz Deutschland, von Nord nach Süd, von Ost nach West. Die Schirmherrschaft übernimmt Josef Schuster, Präsident des Zentralrates der Juden in Deutschland.

Hohe Hygiene- und Sicherheitsstandards

Die Internationalen Tage Jüdischer Musik gewährleisten hohe Hygiene- und Sicherheitsstandards für die anwesenden Festivalgäste und -künstler, um eine Ausbreitung von Covid-19 zu unterbinden. Neben den von öffentlichen Institutionen geforderten Hygieneplänen und deren Umsetzung, werden dazu spezielle Entlüftungsgeräte an allen Veranstaltungsorten installiert. Die strikte Einhaltung aller Sicherheitsmaßnahmen überwacht zudem in vielen Konzerten Sicherheitspersonal.

Gemeinsam stark gegen Antisemitismus

In der Synagoge Köln startet die bundesweite Veranstaltungsreihe mit einer Podiumsdiskussion zwischen Rabbi Yechiel Brukner und Dirk Schümer, Europaredakteur der Zeitung „Die Welt" mit einem brisanten und immer noch aktuellen Thema: Die Anschläge auf eine Synagoge in Halle (Saale) vom November 2019, die ein Schlaglicht auf den Antisemitismus der Gegenwart warfen. Wie der Kampf gegen Judenfeindlichkeit und ein gemeinsamer Aufbruch gelingen kann, diskutieren der Publizist und der Rabbiner leidenschaftlich und engagiert. Musikalisch rundet das Ensemble Else den Gesprächsabend mit Werken von Komponisten aus Österreich, Israel, England und Russland ab.

Premiere mit der Chansonniere Sandra Kreisler

Die Chansonniere Sandra Kreisler, die ihrem Vater Georg Kreisler in Witz und Scharfzüngigkeit in nichts nachsteht, wird seit langem erstmals wieder ein explizit Jüdisches Programm geben. Als Inspiration für ihren Liederabend in der Synagoge in Würzburg hat sie das Wort „Schum davar" gewählt, das sowohl für das Städtetriumvirat Speyer, Worms und Mainz steht, aber auch das hebräische Wort für Knoblauch ist und auch für „Keine Sache" oder auch „gar nichts" steht – ein Liederabend mit Galgenhumor, schwarzem Humor, aber auch skurrilem und querdenkerischem Humor.

Vielfalt jüdischer Musik und jüdischen Lebens

In der Synagoge in Stavenhagen, die in den vergangenen Jahren dank bürgerschaftlichen Engagements wieder aufgebaut wurde, werden Besucher Zeuge wie Singer-Songwriterin Nitsan Bernstein hebräische Klassiker aus verschiedenen Zeiten mit ihrer Band neu interpretiert. Darunter sind Songs von Leonard Cohen und einige aus ihrem Album „Hebrew Accent". Zuvor verbinden die Usedomer Musikpreisträgerin 2018, Emilia Lomakova und die Absolventin des renommierten Abraham-Geiger-Kollegs, Noga-Sarai Bruckstein gemeinsam mit Schülerinnen und Schüler popmusikalische Arrangements jüdischer Künstlerinnen mit Musik bekannter Komponisten wie Johann Sebastian Bach. Zwei Protagonisten der internationalen Musikerelite beschließen im synagogalen Gemeindehaus in Berlin Charlottenburg die Internationalen Tage jüdischer Musik. David Geringas, aus Sowjetlitauen stammender Cellist, Pädagoge und Dirigent, Schüler Mstislaw Rostropowitschs und Jascha Nemtsov, Pianist und Professor für jüdische Musik der Musikhochschule Weimar „Franz Liszt".

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